Freiwillige Feuerwehr

Retter sind jetzt "korblos" im Einsatz

Schwarzenbek. Menschen, die in Schwarzenbek bei einem Feuer aus höher gelegenen Etagen auf Rettung durch die Feuerwehr warten, müssen sich künftig etwas länger gedulden.

Hintergrund: Die ehrenamtlichen Retter rücken wegen eines Defekts an ihrer eigenen Drehleiter mit einem Ersatzfahrzeug aus, bei dem der Rettungskorb am Ende der Leiter erst montiert werden muss. "Das kostet natürlich Zeit", sagt Wehrführer Martin Schröder.

Die Schwarzenbeker Drehleiter, die über einen fest installierten Korb an der Leiter verfügt, wird gerade in einem Fachbebetrieb repariert. Ein technischer Defekt an der Korbsteuerung hat die Drehleiter, die insgesamt 30 Meter weit ausgefahren werden kann, lahmgelegt. Schröder: "Die Korbsteuerung ist wichtig, um das Niveau des Korbs je nach Neigungswinkel so zu regulieren, dass die Einsatzkräfte im Korb immer einen geraden Boden unter den Füßen haben."

Erst Ostern war es im österreichischen Henndorf bei einem Brand zu einem Zwischenfall gekommen, der die aus dem Korb arbeitenden Feuerwehrleute in Gefahr brachte: Die Korbsteuerung regulierte nicht, die Retter wären beinahe aus dem schrägen Korb gefallen. Wie wichtig der Rettungskorb ist, zeigte sich zuletzt am 5. Juni 2011 bei einem Feuer in einem Mehrfamilienhaus am Müllerweg: Mit der Drehleiter wurden Bewohner aus dem zweiten Stock gerettet.

Die Korbdrehleiter vom Typ "DLK 23-12" wurde 1990 gebaut. Damals wurde sie als Vorführfahrzeug direkt vom Hersteller in Ulm beschafft, weil das Vorgängermodell bei einem Einsatz am Alten Forsthof am Hochhaus nicht gut funktionierte. "Damals hatte sich gezeigt, dass die schnelle Menschenrettung ohne Korb nicht geht. Unsere alte Drehleiter war einfach nicht mehr auf dem Stand der Zeit", so Schröder. Mit 22 Jahren hat auch das aktuelle Modell jetzt seinen Zenit überschritten. Eine Ersatzbeschaffung ist erst für 2015 geplant. Schröder "Unsere Drehleiter ist leider nicht das erste Mal aufgrund eines Defekts in der Werkstatt. Vielleicht sollte man vor dem Hintergrund der Reparaturkosten und der Anfälligkeit der alten Technik lieber überlegen, die Investition vorzuziehen. Zur Sicherheit der Bürger."

Doch eine neue DLK 23-12 würde rund 650 000 Euro kosten. Das entspricht in etwa der Summe, die Schwarzenbek jedes Jahr laut Konsolidierungsvertrag einsparen muss. Solange die alte Drehleiter repariert wird, greifen die Feuerwehrleute auf eine Reserve-Drehleiter, ein 23 Jahre altes ehemaliges Fahrzeug der Kölner Berufsfeuerwehr zurück. Die Spezialwerkstatt im knapp 700 Kilometer entfernten Germersheim (südlich von Mannheim) stellt das Fahrzeug zur Verfügung. Im Ernstfall rücken jetzt die Kameraden aus Lauenburg mit ihrer Drehleiter zur Unterstützung aus. Die soll in absehbarer Zeit ersetzt werden - obwohl Lauenburg finanziell ähnlich schlecht dasteht wie Schwarzenbek. Mit zusätzlichen Ausbildungseinheiten haben sich die Feuerwehrleute in ihrer Freizeit schon auf das Reserve-Fahrzeug eingestellt. Wie wichtig das ist, zeigte sich 2010, als zuletzt eine Leih-Leiter im Einsatz war: Damals hatte es reihenweise Einsätze gegeben, bei denen das geliehene Fahrzeug eine wertvolle Hilfe war.

Diesmal kam Schwarzenbeks Drehleiter auf kuriose Weise zur Reparatur nach Germersheim: Feuerwehrleute aus Heide, die die Reserve-Leiter zuletzt in Dienst hatten, brachten sie in die Europastadt und nahmen die Schwarzenbeker Leiter gleich mit nach Germersheim, wo eine reparierte und frisch gewartete DLK 23-12 bereits auf die Heider Feuerwehrleute zur Abholung wartete.