Dorfspaziergang: Klein Pampau

Eine explosive Ortsgeschichte

Klein Pampau (pas). Wieso das Dorf den Beinamen "Klein" trägt, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich.

"Wir haben etwa 650 Einwohner, das benachbarte Groß Pampau etwa 150", sagt Bürgermeister Horst Born (73). Der Grund für die Namensgebung liegt wohl in der Vergangenheit. "Groß Pampau hatte immer mehr Landwirte als wir", mutmaßt Born.

Zwei Landwirte und einen Reiterhof gibt es heute noch in Klein Pampau, das in drei Teile geteilt ist. "Wir haben einen historischen Kern, einen Außenbereich und einen sanierten Teil", klärt Born auf. In Letzterem beginnen wir den Dorfspaziergang. Dort, wo heute das Gemeindezentrum steht, war in den 1920er-Jahren plattes Land. "Damals sollte hier eine Dynamitfabrik gebaut werden", erzählt der 73-Jährige. Bereits 1926 wurde diese aber wieder stillgelegt. Ein letzter Bunker erzählt noch heute von dieser Zeit. Er steht an der Hasenböge und ist leer. "Theoretisch könnte man da ein Haus drauf setzen und den Bunker als Keller nutzen, aber das möchte heute niemand mehr", sagt Born.

Kurz nach dem Krieg war das anders. Damals lebten viele Flüchtlinge in den alten Bunkern. "Sie hatten sich hier notdürftig eingerichtet. Die Frauen sind damals immer noch zur Quelle gegangen, um Wasser zu holen", erinnert sich der Bürgermeister, der in Hinterpommern geboren wurde, 1962 nach Klein Pampau kam. Heute erinnert an diese Zeit nur noch der Quellenweg, denn 1974 erhielt der Ort eine zentrale Wasserversorgung. Von 1973 bis 1986 sanierte die Gemeinde das Bunkergelände der Sprengstofffabrik: Neue Straßen, ein Klärwerk, 120 neue Grundstücke, das Gemeindezentrum und Mehrfamilienhäuser entstanden. Heute stehen viele dieser Wohnungen leer. Die Klein Pampauer ziehen lieber in die Neubauten, die unter anderem in den 80er- und 90er-Jahren am Wiesengrund entstanden.

Mit dem Rad kommt uns ein alteingesessener Klein Pampauer auf der Hasenböge entgegen. Es ist Udo Fassauer mit einer Ladung Hühnereier. 50 Hühner hält der Mann und verkauft im Dorf, was sie legen. Vorbei am Spielplatz am Birkenredder, für den die Gemeinde gerade für 8000 Euro neue Geräte anschafft, geht es zum Quellenweg, wo das letzte Verwaltungsgebäude der geplanten Dynamitfabrik noch erhalten ist. An der Massower Straße erinnert ein Gedenkstein an die vielen Flüchtlinge, die nach dem Krieg in den Ort gekommen sind. Im historischen Teil des Ortes steht das älteste Haus der Gemeinde: Das Bauernhaus der Familie Dreier ist mehr als 200 Jahre alt.

Vorbei am Kriegerdenkmal geht es dann zu Horst Borns Schafen. 15 meckernde Tiere begrüßen die Besucher über den Zaun. "Das sind Kamerunschafe. Ihr Fleisch ist besonders lecker", erklärt Born. Eine gut gewürzte Kamerunschaf-Keule auf dem Teller - auch das ist typisch für einen echten Klein Pampauer.

Der Termin für unseren Dorfspaziergang am vergangenen Donnerstag musste kurzfristig verlegt werden. Wir bitten alle Teilnehmer, die vergeblich gewartet haben, um Verzeihung.