Identitätsklau

Betrug mit Namen des FDP-Chefs

Schwarzenbek (cus). Die E-Mail erschien gestern um 13.40 Uhr im Outlook-Eingang unserer Zeitung und bei 48 weiteren Adressaten. Der Inhalt: Ein Hilferuf des Schwarzenbeker FDP-Vorsitzenden Holger Kempter, dem im schottischen Edinburgh die Tasche samt Reisepass und Kreditkarte abhanden gekommen sei.

Er benötige jetzt dringend Geld, um den Rückflug antreten zu können. "Die Botschaft ist bereit, mich ohne meinen Pass fliegen zu lassen. Ich muss nur noch für mein Ticket und die Hotelrechnungen zahlen", steht in der mit Holger Kempter unterschriebenen Mail.

Abgesehen davon, dass auch Schottland zur Europäischen Union (EU) gehört und am Flughafen der Personalausweis ausreicht, saß Kempter gestern im Büro seines Lüneburger Arbeitgebers und ging brav seinem Job nach. "Da hat sich unser Rechner wohl einen Virus eingefangen", sagt Ehefrau Susanne, die sofort ein Virensuchprogramm einsetzte, um den Computer zu säubern. Dies sei eine ganz "miese Tour", empörte sie sich und rät allen Angeschriebenen, keineswegs Geld zu überweisen.

Das sagt auch Thomas Hagen, Pressesprecher der Verbraucherzentrale in Kiel: "Die Masche ist nicht neu, es handelt sich dabei um eine Form von Identitätsklau." Und das sei relativ einfach: Entweder sei ein Trojaner auf dem Computer aktiv, oder die Adressen seien einfach von einer fehlgeleiteten Rundmail des Parteivorsitzenden kopiert worden. Hagen: "Ich gehe davon aus, dass die Täter die Adressenliste irgendwo gekauft haben und die Masche weitgehend automatisiert abläuft."

Nachforschungen unserer Zeitung ergaben, dass es das in der E-Mail genannte Hotel "Blue Island" in Edinburgh nicht gibt. Auch die Telefonnummern sind, obwohl sie mit der britischen Ländervorwahl "0044" beginnen, keine Festnetznummern der schottischen Hauptstadt, sondern verdeckte Mobiltelefonanschlüsse. Versuche der Kontaktaufnahme verliefen erfolglos. Thomas Hagen warnt eindringlich, auf derartige Betrugsversuche hereinzufallen: "Das Geld ist dann weg."