Sprachheilkurse

Mit Bär "Pu" fällt das Sprechen leichter

Schwarzenbek. Auch für den vierjährigen Thomas* ist ein Elefant ein großes, graues Tier mit Rüssel und großen Ohren. Nur aussprechen kann er es nicht. Wenn Thomas "Elefant" sagen will, kommt nur "Ela" raus.

Am Förderzentrum Centa-Wulf-Schule lernt der Junge in einer Kleingruppe mit maximal vier Kindern Worte richtig zu bilden. "Wir schreiten die Silben ab", erläutert Sprachheillehrerin Jessica Bachmann eine Methode: Über die Anzahl der Schritte bekommen Kinder, die vorher Silben "verschluckt" haben, ein Gefühl für die Bestandteile und die Länge des Wortes. "Über die Strecke, die sie im Raum zurückgelegt haben, lernen sie, dass Elefant ein viel längeres Wort ist als zum Beispiel Maus", so Bachmann.

Seit zwei Jahren gibt es diesen Intensiv-Präventionskursus, an dem 23 von 25 Kitas im Südkreis teilnehmen. Ein vergleichbares Projekt gibt es bisher nur in Rendsburg. Über neun Wochen üben die Kinder an drei Vormittagen auf spielerische Weise Sprache: Manche lispeln, andere haben Probleme mit der Grammatik oder wie Thomas Probleme beim Sprechablauf. Vor allem Jungen sind betroffen, sie stellen mit 80 Prozent die meisten Teilnehmer. Bachmann: "Es geht nicht um eine verzögerte Entwicklung, sondern um massive Sprachstörungen. Selbst Eltern können oft nicht verstehen, was ihre Kinder sagen."

Die Ursachen so einer Sprachstörung sind vielfältig: Neben körperlichen Problemen wie etwa eine angeborene Gaumenspalte können auch psychische oder soziale Gründe dazu führen. "Unser Ziel ist es möglichst, einen sonderpädagogischen Förderbedarf im sprachlichen Bereich an der Grundschule zu vermeiden", sagt Schulleiterin Viola Hüfner. Am bisherigen Standort am Hans-Koch-Ring ist ein Raum extra für diese Kurse in einer dem Lernen besonders förderlichen Weise ausgestattet: Neben einem Teppichfußboden - gelernt wird selten am Tisch - gibt es Klangschalen, Kuschelkissen und "Pu" - eine Handpuppe in Teddyform. "Pu ist ganz wichtig", sagt Bachmann: "Viele Kinder haben eine so große Sprechangst, dass sie mit Menschen nicht sprechen. Mit Pu geht das immer." Häufig bringt das Kind auch selber ein Kuscheltier mit und über diese beiden "Stellvertreter" entsteht schließlich Kommunikation.

Für Schulleiterin Hüfner ist es deshalb wichtig, dass so ein Raum auch nach dem geplanten Umzug des Förderzentrums an die Verbandsschule Nordost zur Verfügung steht: "Ansonsten wären wir jeden Tag eine Stunde mit dem Auf- und Abbau der Materialien beschäftigt." Zeit, die die 25 Lehrkräfte besser verwenden können: Sie sind für insgesamt 3165 Schüler der ersten bis zehnten Klassen sowie 25 Kitas im Südkreis zuständig, unterrichten 137 Integrationskinder an den umliegenden Schulen sowie 30 Kinder an der Centa-Wulf-Schule selbst. "Dadurch sind wir das größte Förderzentrum des Kreises", so Hüfner.

* Name geändert