Kulturfinanzierung

Theatergruppe bietet netto statt brutto an

Schwarzenbek. Nachdem die Politiker im Sozial- und Kulturausschuss bereits eine Erhöhung der Eintrittspreise von zwei Euro für die kommende Saison der Kleinen Bühne beschlossen haben (wir berichteten), sind jetzt die Laiendarsteller der VHS-Theatergruppe dran.

Zehn Prozent ihrer Einnahmen sollen die Hobbyschauspieler für die Nutzung des Theatersaals im Rathaus an die Stadt überweisen. Sie nutzen den Saal fünf Mal im Frühjahr sowie sieben Mal im November und Dezember für die Aufführungen des Weihnachtsmärchens.

In unserer Zeitung hatten sich die Akteure der 1947 gegründeten Theatergruppe bereits beklagt, dass mit ihnen im Vorfeld niemand gesprochen habe. Jetzt erhielten sie am Montagabend im Sozial- und Kulturausschuss die Gelegenheit, ihre Position darzustellen - mit Erfolg: Die prozentuale Beteiligung scheint vom Tisch zu sein.

Ralf Dmoch, seit 25 Jahren als Akteur und jetzt auch als Beisitzer im Vorstand aktiv, rechnete den Ausschussmitgliedern die Kosten so einer Theaterproduktion am Beispiel des Weihnachtsmärchens vor. 4500 Euro hatten die Laiendarsteller mit den sieben Aufführungen des "Räuber Hotzenplotz" im vergangenen Jahr eingenommen. Davon gehen jedoch allein sieben Prozent an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz Gema. "Pro Rolle zahlen wir für das Textbuch 35 Euro", so Dmoch. Dazu kommen Kosten für Kostüme, Maske und Bühnenbau. Dmoch: "Den 'Hotzenplotz' kann man schließlich nicht in den Kulissen von 'Schneewittchen' spielen." Nach allen Abzügen bleibt ein Erlös von 1200 Euro. Ähnlich sah die Ertragslage auch im Sommer bei "Schiff Ahoi" aus.

Doch die Theatergruppe benötigt jedes Jahr 2800 Euro, um ihre sonstigen Unkosten zu decken. Dazu zählen Werbung und Miete für den Baufundus, mit dem die Darsteller nach vier Umzügen jetzt in der Alten Meierei untergekommen sind. "Eine Theatergruppe lebt von einem guten Stück wie 'Ladysitter'. Von diesem Stück, das wir vor zwei Jahren gespielt haben, zehren wir noch heute", sagt Dmoch.

Die Forderung nach zehn Prozent der Bruttoeinnahmen lehnt Dmoch deshalb ab: "Kein Unternehmen zahlt Steuern auf den Gesamtumsatz", so der Theatermann. Stattdessen bot er der Politik zehn Prozent vom Erlös an: rund 240 Euro im Jahr. Reaktion von Gerhard Moldenhauer (CDU): "Wenn wir auf den Nettobetrag runtergehen, können wir auch ganz darauf verzichten. Das will ich aber noch mal in der Fraktion beraten." Trotz Vertagung sind die Chancen für die VHS-Theatergruppe gut, dass dieses Stück Kulturleben von den Sparbeschlüssen der städtischen Gremien verschont bleibt.