Sprachkursus

Endlich die eigenen Nachbarn und die Verkäuferin richtig verstehen

Schwarzenbek (rz). "Ich verstehe gut Deutsch, aber sprechen kann ich nicht so gut", meint Gueldane Bolat. Die 59-Jährige Schwarzenbekerin, die seit 38 Jahren in Deutschland lebt, drückt nun kurz vor dem Rentenalter vier Tage in der Woche bis zum Frühjahr 2013die Schulbank.

Sie möchte Deutsch lernen und sich besser beim Einkaufen, auf Ämtern und im gesellschaftlichen Leben verständigen können. Zusammen mit 14 anderen Schwarzenbekerinnen unterschiedlicher Nationalitäten besucht sie einen Kursus, der im Rahmen des Integrationsprogrammes des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gefördert wird.

Gueldane Bolat holt nach, was ihr in Jahrzehnten vorher nicht möglich war. "Ihr geht es wie vielen türkischen Frauen, deren Mann als Gastarbeiter nach Deutschland kam", sagt Ugur Kaya, der als Jugendbetreuer in der Moschee tätig ist. Sich um die Kinder zu kümmern und den Haushalt zu führen, stand im Vordergrund. Kursangebote gab es nicht. So ging es auch seiner Mutter Milek Kaya (51), die ebenfalls den Kursus absolviert. "Ich bin stolz, dass sie mitmacht. Ich werde sie unterstützen", freut sich der 30-Jährige.

Aber auch für jüngere Frauen vergehen oft viele Jahre, bis sie Deutsch lernen. Die 30-Jährige Sibel Torun aus Aserbaidschan ist seit 13 Jahren in Deutschland. Einen Kursus hat sie bisher nicht absolviert. Jetzt sitzt sie neben Gueldane Bolat.

Vier Stunden lernen die Frauen im Alter von 30 bis 59 Jahren täglich in der Serrah Moschee an der Kollower Straße zusammen. Ihre Lehrerin ist Heidi Holdorf-Ringer, die Geschäftsführerin des "educare Institutes" in Mölln, das unter anderem "Deutsch als Fremdsprache" unterrichtet. Die erste Lektion ist noch einfach. Sie beginnt mit der Begrüßung auf Deutsch. Die Frauen lernen, wie man sich nach dem Befinden erkundigt, führen ein kleines Gespräch.

Das Lesen und Schreiben ist schon schwieriger. Das Lehrbuch "Schritte Plus - Deutsch als Fremdsprache" ist Fibel und Arbeitsbuch zugleich. Sechs Bände gilt es durchzuarbeiten. Der Bleistift ist ein wichtiges Werkzeug, damit Fehler wegradiert und die richtigen Schreibweisen eingefügt werden können. So lernen die Frauen, unter anderem, sich beim Einkaufen, in Behörden und Ämtern, beim Arzt und im Krankenhaus, auf Reisen und in der Schule zu verständigen.

900 Stunden Deutsch müssen absolviert werden. Hinzu kommen 45 Stunden im "Orientierungskursus", der Wissen über die Kultur, Politik und Geschichte Deutschlands vermittelt. "Der Kursus schließt mit einer Prüfung ab", erläutert Heidi Holdorf-Ringer. Die Schülerinnen müssen einen langen Text hören und dazu schriftlich Fragen beantworten sowie einen Brief verfassen. Eine mündliche Prüfung schließt sich an. "Ich hoffe, dass alle durchhalten. Die Motivation ist hoch", sagte Dozentin Heidi Holdorf-Ringer.