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Eltern klagen über massiven Unterrichtsausfall

Es ist Mittwoch, 12 Uhr. Nach zwei Stunden Unterricht ist Pia wieder zu Hause. Der Lehrer war krank und ihre Klasse durfte gehen. Für die Achtklässlerin und ihre Klassenkameraden der auslaufenden Realschule in Schwarzenbek nichts Neues. In den ersten fünf Wochen dieses Jahres sind für sie 11 Schulstunden à 60 Minuten ausgefallen. Dazu kommen noch acht Vertretungsstunden, die eigentlich auch als Ausfall gelten müssten. Zu Hause führen die Eltern genau Buch über den Unterrichtsausfall. "Die Vertretungslehrer nutzen die Zeit oft für die Korrektur von Arbeiten und beschäftigen die Kinder mit Stillarbeit", zeigt sich Pias Mutter resigniert. "Offiziell dürfen diese Stunden aber nicht als Ausfall angezeigt werden und fallen damit aus der Statistik heraus", weiß sie - mehr Unterricht hat ihre Tochter damit nicht.

Allein in einer Woche im Februar sind von 21 Planstunden 4 ersatzlos ausgefallen. Rund 20 Prozent - laut Schulgesetz dürften es nur 10 Prozent sein. Mathe, Französisch, Erdkunde - Wissenslücken entstehen auf allen Gebieten. Der unbeständige Lehrplan beeinträchtigt die gesamte Arbeitsmotivation der Kinder. "Auch die Guten rutschen in ein Mittelmaß ab", stellt die alleinerziehende Mutter fest, weil ein konsequenter Schulalltag fehlt. Allerdings könne man nicht der Schule die Schuld geben, betont sie. Diese müsse mit den Ressourcen arbeiten. "Es müssen einfach mehr Lehrer her!"

Der Lehrermangel hat für sie weitreichende Konsequenzen: "Für unsere Kinder steht das Bewerbungsschreiben für einen Praktikumsplatz im März 2013 erst im Herbst auf dem Programm. Das ist viel zu spät, zumal das Gymnasium im selben Zeitraum Praktika fordert". Ein ganz mulmiges Gefühl überkommt sie, wenn sie an die Bewerbung für einen Ausbildungsplatz denkt. "Wie sollen junge Menschen an einen langen Berufsalltag herangeführt werden, wenn die Schulzeit von Stundenausfällen und Unzuverlässigkeit geprägt ist?", fragt sie sich. Und mit welchem Wissensstand werden sie in das Berufsleben entlassen?

Eine Verschärfung dürfte sich aus ihrer Sicht mit der geplanten "Super-Grundschule" ergeben. Denn durch die Nähe der Grundschule an der Breslauer Straße und der Gemeinschafts- bzw. Realschule wurden Lehrer in der Vergangenheit schnell mal anders eingesetzt, so ihre Beobachtung. Dieser Puffer falle dann weg.