Bildungspolitik

Kita top, "Super-Grundschule" Flop

Schwarzenbek. Auf der Zielgeraden wurde der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der lange Zeit als sicherer Sieger im Rennen um die Trägerschaft der fünften Kita galt, noch von einem Bewerber abgefangen, der erst spät eingestiegen ist: die Johanniter Unfallhilfe.

Am Freitagabend votierten die Politiker im nichtöffentlichen Teil der Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich für den Anbieter aus Lübeck.

Mit einer Rüge wegen der fehlenden europaweiten Ausschreibung hatten die Johanniter im Dezember eigene Ansprüche angemeldet (wir berichteten). Nicht nur, um einer rechtlichen Auseinandersetzung aus dem Wege zu gehen, sondern auch weil das Angebot offenbar besser als das der Mitbewerber war, durften sich die Johanniter am 30. Januar im Sozial- und Kulturausschuss vorstellen.

Zeitgleich besserte auch der ASB, der bereits zwei Kitas in der Stadt betreibt, sein Angebot nach, jedoch offenbar ohne konkrete Zahlen vorzulegen. Anders die Johanniter, die der Stadt eine Jahresmiete von 21 500 Euro anboten und gleich einen Parkplatz samt "Kiss-&-Go-Zone für die Eltern eingeplanten. Ob sich auch der ehrgeizige Zeitplan halten lässt - Peter Küpper, Fachbereichsleiter bei den Johannitern, hatte eine Teileröffnung für August und den Vollbetrieb für Oktober angekündigt - wird sich zeigen. Auf Nachfrage erklärte Bauamtsleiter Ralf Hinzmann, dass die Bauarbeiten erst in den Sommerferien beginnen werden, um den Betrieb der Grundschule nicht zu stören.

Die stand auch im Mittelpunkt der Einwohnerfragestunde: Eltern und Lehrer der Grund- und Gemeinschaftsschule appellierten an die Politiker, nicht über einen CDU-Antrag über die Zusammenlegung der beiden Grundschulen im Stadtgebiet abzustimmen. Nachdem unsere Zeitung über die im nichtöffentlichen Teil der Schulverbandsversammlung diskutierte Möglichkeit berichtete, hatte der Schulelternbeirat eine Umfrage gestartet. Mit deutlichem Ergebnis: Von 192 Grundschuleltern stimmten 86 Prozent für einen Verbleib bei der Gemeinschaftsschule, nur elf Prozent waren für einen Zusammenschluss mit der Grundschule Nordost. "Machen sie noch einmal einen großen, runden Tisch, damit wirklich alle Fragen geklärt werden", so Kirsten Niemann, Elternbeiratsvorsitzende der Gemeinschaftsschule.

Hintergrund: Der vor 40 Jahren gegründete Schulverband Nordost ist für die Umlandgemeinden immer weniger attraktiv. Durch die im Schulgesetz festgeschriebene freie Schulwahl müssen sie nicht nur ihren Anteil am Schulverband zahlen, sondern auch Gastschulbeiträge für alle übrigen Schulen. Eine Erweiterung des Schulverbandes auf beide Grundschulen würde diese Kosten senken - auch für die Stadt: Im Falle der Auflösung des Verbandes müsste sie die Partner gemäß ihres Anteils auszahlen.

"Dieses Geld hat Schwarzenbek nicht", erklärte Josefin Francke (SPD) und appellierte ihrerseits an die Eltern: "Die Kinder werden von einem Besitzerwechsel gar nichts merken." Beide Schulen seien gleichwertig, und beide Standorte sollen erhalten bleiben. Eberhard Schröder (FWS) sah dies anders: Er habe selten einen so wenig durchdachten Antrag erlebt. Zudem seien Grüne und FDP nicht im Schulverband vertreten und folglich auch nicht ausreichend informiert.

CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Delfs, der nach eigenen Angaben 157 Emails von Eltern erhalten hatte, zog seinen Antrag schließlich zurück. Begründung: Es seien neue Unterlagen eingegangen, die bei der Fraktionssitzung am vergangenen Montag noch nicht vorlagen. Nun soll voraussichtlich mit allen Betroffenen im Sozial- und Kulturausschuss diskutiert werden.