Leserbrief: Laienspieler

"Höchst fragliche Art der Einnahme-Generierung"

Betr.: "Stadt will Laienspielern in die Tasche greifen", Schwarzenbek-Seite vom 26. 1. 2012

Die Stadt Schwarzenbek plant also, von der VHS-Theatergruppe zehn Prozent der Abendeinnahmen zu kassieren. Eine in meinen Augen höchst fragliche Art der Einnahmengenerierung.

In den örtlichen Theatervereinen kommen Bürger unterschiedlichsten Alters und unterschiedlichster Herkunft zusammen, um in einem Probenprozess über viele Monate auf ein paar Vorstellungen vor Publikum hinzuarbeiten. Dies alles, ohne für ihre Arbeit einen Cent Gage zu erhalten. Und Arbeit ist es tatsächlich. Ein abendfüllendes Stück lang auf der Bühne zu stehen ist geistige und körperliche Höchstarbeit.

In meinen Schauspielworkshops erzähle ich gerne, dass die Schauspieler nach dem Krieg, als alles langsam wieder aufgebaut wurde und die ersten Theater wieder ihren Spielbetrieb aufnahmen, deshalb die gleiche Ration Essensmarken erhielten wie die Bauarbeiter. Um aber überhaupt auf die Bühne zu kommen ist ein steiniger Weg zu beschreiten, denn es muss eine Bühne ausgestattet werden, Kostüme gesucht werden und manch ein Theaterstück verlangt nach Requisiten, die man nicht gerade zufällig in seinem Wohnzimmer herumstehen hat.

Diese ganzen Positionen kosten Geld. Nicht der Arbeitslohn derjenigen, die in ihrer Freizeit hämmern und nähen, sondern schlicht und einfach das Material. Dann werden Flyer und Plakate gestaltet und gedruckt, auch das ist nicht umsonst. Dann kommt der Verlag, an den Tantiemen gezahlt werden, und die Gema, wenn Musik eingespielt wird.

Wenn die Leitung der Theatergruppe der VHS Schwarzenbek sagt, es bleibe eigentlich nichts übrig, dann kann ich das aus meinen eigenen Erfahrungen als Leiter von verschiedenen Theatergruppen bestätigen. Alle zusätzlichen Kosten erschweren die Theaterarbeit jedoch immens, wenn sie sie nicht sogar unmöglich machen. Was hat aber nun die Stadt Schwarzenbek davon, dass eine Gruppe von Theaterbegeisterten sich Woche für Woche trifft, um zu arbeiten? Theaterarbeit ist Teamarbeit, eine Schlüsselkompetenz, die in Rankings bei Führungspositionen auf Platz sechs liegt und somit mit der Fachkompetenz als gleich wichtig eingestuft wird. Es ist ein generationsübergreifender Treffpunkt. Und es kommt eine Belebung der kulturellen Landschaft heraus, denn die Aufführungen von örtlichen Theatergruppen erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Eintrittspreise sind günstiger als für das professionelle Theater und ermöglichen so auch sozial schwächeren, die Interesse haben, am kulturellen Leben teilzuhaben. Der Personenkreis, der ansonsten vom kulturellen Leben ausgeschlossen wird, weil die Karten für das Profitheater im Rathaus ein bisschen zu teuer sind.

Jede Stadt unterhält Sporthallen und Trainingsplätze. Sportvereine erhalten oftmals sogar noch einen zusätzlichen städtischen Zuschuss. Theaterarbeit ist in meinen Augen auch wichtig. Es erwartet schon gar kein Kulturschaffender in diesem Land mehr einen Zuschuss der öffentlichen Kassen für seine Arbeit. Dass aber die Kulturschaffenden nun selbst zur Kasse gebeten werden, ist eine absolute Fehlentwicklung.

Ich wünsche der Theatergruppe der VHS Schwarzenbek, dass diese absurde und unmögliche Idee aufgegeben wird, bzw. dass sie notfalls einen neuen Spielort findet. Und vielleicht merken die Politiker irgendwann einmal, dass mit Kulturarbeit kein Geld zu verdienen ist, dass es in meinen Augen eigentlich ihre Pflicht ist, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass alle Bürger ein Recht auf Teilhabe am kulturellen Leben haben. Die kostenlose Verfügungstellung eines Proben- und Aufführungsraumes ist da ja wohl das absolute Minimum.

Andreas Püst, 21481 Lauenburg