Quotenregelung?

Führungspositionen für Frauen sind selten

Schwarzenbek. Frauen dürfen nicht genug mitreden, und das ist nicht gerecht. So sehen es namhafte Parlamentarierinnen und Frauenverbände. Deshalb haben sie die "Berliner Erklärung" verabschiedet.

Die Unterzeichnerinnen, darunter Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Renate Künast (Grüne), Gesine Lötzsch (Die Linke), Schauspielerin Maria Furtwängler oder Fußballerin Steffi Jones, fordern die gleichberechtigte Mitwirkung von Frauen an den Entscheidungsprozessen in den Führungs- und Kontrollgremien der Wirtschaft. Die Berliner Erklärung sieht eine verbindliche Mindestquote von zunächst 30 Prozent für die Aufsichtsräte der börsennotierten, mitbestimmungspflichtigen und öffentlichen Unternehmen vor. Konzerne, die sich nicht daran halten, sollen Sanktionen erfahren.

Bei den 300 Mitgliedsunternehmen des Verbandes der Südholsteinischen Wirtschaft (VSW) stehen in etwa 10 bis 15 Prozent der Firmen Frauen an der Spitze oder zumindest in der zweiten Reihe, schätzt Geschäftsführer Axel Stehr: "Es ist noch kein Wandel, aber es sind in den letzten Jahren immer mehr geworden."

Andrea Reinhold, Chefin einer Tankstelle und Vorsitzende der Wirtschaftlichen Vereinigung in Schwarzenbek (WVS) hält nichts von einer Frauenquote: "Eine Quote ist Zwang, und das ist nie gut." Dass im Vorstand der WVS nur zwei Frauen einen Platz haben, aber fünf Männer, findet sie in Ordnung.

Die richtige Mischung der Fähigkeiten und Talente habe für sie Priorität vor einer ausgewogenen Mischung der Geschlechter, betont Reinhold: "Nur wegen einer Quote würde ich meinen Vorstand nicht austauschen." Das Engagement der Frauen in Schwarzenbek stellt sich aus Sicht der WVS-Leiterin sehr erfreulich dar: "Wir haben viele selbstständige Frauen in Schwarzenbek, die die Wirtschaft bereichern."

Anders sieht dies Anja Kober, Geschäftsführerin des Immobiliendienstleisters ID Nord: "Ich fürchte, wir brauchen eine Quote. Frauen arbeiten, denken und vernetzen sich ganz anders." Sie hat in der Zeit vor ihrer Selbstständigkeit selbst viele Jahre Konzernerfahrung und eine "skandalöse Klüngelwirtschaft" miterlebt. Was Männern unpopulär erscheine, werde gerne beiseite geschoben. Auch die Bezahlung werde oft noch eher nach Geschlecht als nach Leistung geleistet.

Bärbel Raithel, Einrichtungsleiterin der Senator Senioren-Residenz Sankt Franziskus, sieht die Quote aus einem ganz anderen Blickwinkel: "Uns fehlen die Männer. Im Pflegebereich arbeiten zu 80 Prozent Frauen." Die Tendenz sei zwar steigend, aber noch seien es viel zu wenig Männer. "Wir müssen weg vom Rollendenken, aber das dauert wohl noch viele Jahre. Aber nur durch gewachsenes Selbstverständnis kann es funktionieren, dass Männer sich für Pflegeberufe interessieren und Frauen in Führungsetagen mitreden", so die Managerin.

www.berlinererklaerung.de

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