Mitgiftmorde

Dieser Arzt schenkt indischen Brandopfern ein neues Gesicht

Schwarzenbek (cus). In seiner Klinik in Kassel korrigiert Dr. Lutz Gruhl Nasen und Brüste, saugt Fett ab oder strafft die Gesichtshaut.

Einmal im Jahr fliegt der plastische Chirurg jedoch nach Indien und stellt seine Fähigkeiten in den Dienst einer guten Sache: Im Auftrag von Interplast Germany, einem Verein zur Förderung der plastischen Chirurgie in Entwicklungsländern, ist der Mediziner seit 1992 ehrenamtlich in Indien tätig und versorgt Verbrennungsopfer.

Bei den oft großflächigen Verbrennungen durch Kerosin, mit denen in den Haushalten auch Öfen und Kochherde betrieben werden, handelt es sich zumeist nicht um die Folgen von Hausunfällen, sondern um sogenannte Mitgiftmorde. Allein für das Jahr 2005 weist die Kriminalstatistik des Subkontinents 7026 derartige Morde aus, bei dem Ehemänner oder deren Eltern die Ehefrau mit Benzin übergossen und angezündet haben - ein brutaler Auswuchs des indischen Mitgiftsystems. Während die Männer frei für eine weitere Ehe sind, werden die verstümmelten Frauen, die so eine Attacke überlebt haben, von ihren Familien versteckt. "Wir versuchen, sie von ihren Entstellungen zu befreien, so dass sie sich der Öffentlichkeit wieder zeigen können und gleichzeitig ihre Funktionen wieder herzustellen, so dass sie Arbeit aufnehmen können und den sozialen Wiedereinstieg schaffen", sagt Gruhl.

Auf Einladung von "Inner Wheel", der Damenorganisation der Rotarier, kommt Gruhl am Montag, 4. April, nach Schwarzenbek, um über die Praxis der Mitgiftmorde zu berichten. Der Vortrag im Festsaal des Rathauses, Ritter-Wulf-Platz 1, beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden für Gruhls Hilfsprojekt sind willkommen.