Reinbek

Retter und Nachbarn geschockt

Unglück: Opfer erst nach eineinhalb Stunden geborgen - Seelsorger betreuen Kollegen und Anwohner

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. Der schwere Unfall an der Bismarckstraße hat gestern nicht nur den Kollegen des Opfers und den Feuerwehrleuten zugesetzt. Auch Nachbarn und Bewohner des Hauses standen sichtlich unter Schock. Für sie hatte Einsatzleiter Oliver Selke Seelsorger angefordert.

Die Vorgeschichte des Unglücks: Weil immer mehr Feuchtigkeit von außen durch das Mauerwerk des Mehrfamilienhauses an der Bismarckstraße eingedrungen war, hatte sich die Eigentümergemeinschaft der Immobilie entschlossen, eine neue Drainage legen zu lassen. Ein Bautrupp grub die Erde auf, um einen neuen Bitumenanstrich auf das Mauerwerk aufzutragen. Der Anstrich sollte als Sperre gegen die eindringende Feuchtigkeit dienen. Nachdem die Arbeiten bereits an einem Großteil der Grundmauer erledigt waren, kam es gestern zu dem tödlichen Arbeitsunfall auf der Baustelle.

Um dem Mann helfen zu können, musste die Feuerwehr zunächst selbst die Baustelle absichern. Das hatten die Arbeiter zuvor offensichtlich vernachlässigt. Die Kasematten hatten scheinbar keine ausreichend tragfähige Verbindung zum Außenmauerwerk des Hauses, sodass ihnen der Halt fehlte, als sie für die Arbeiten von unten freigelegt wurden. "Wir haben die Erde des Grabens mit Folie abgedeckt und Leitern sowie Bohlen davor gestellt, um selbst geschützt arbeiten zu können", erklärte Einsatzleiter Oliver Selke.

Die Reinbeker Retter wollten auf der Einfahrt des Nachbargrundstücks ihre Drehleiter in Stellung bringen, um mit Hilfe des daran befestigten Krans die Kasematten anheben zu können. Doch das 15 Tonnen schwere Fahrzeug fuhr sich auf dem weichen Boden fest. Erst als mit einem Presslufthammer eine Bordsteinkante aufgebrochen wurde, war das Fahrzeug wieder frei. Mit Hilfe eines Radladers vom Reinbeker Bauhof konnte gegen 14.45 Uhr immerhin eine der zwei Kasematten aus der Grube gezogen werden. Zu dem Zeitpunkt war der Arbeiter jedoch schon nicht mehr ansprechbar.

Erst als gegen 15 Uhr ein Telekran der Hamburger Berufsfeuerwehr - der nächste wäre in Lübeck oder Kiel gewesen - am Unglücksort eintraf, gelang es, auch die zweite Kasematte ein Stück anzuheben. Die Feuerwehrleute zogen den leblosen Arbeiter gegen 15.20 Uhr sofort aus der Grube. Der Notarzt konnte jedoch nur noch dessen Tod feststellen. Dieser tragischer Einsatz, beim dem sie dem Opfer nicht mehr helfen konnten, hat auch den Freiwilligen Helfern zugesetzt. Sie wurden später in der Wache von einem Seelsorger betreut.

Welche Baufirma die Hausgemeinschaft beauftragt hatte, war zunächst unklar. Die Bauarbeiter fuhren mit einem privaten Ford Kombi vor, um ihrer Aufgabe nachzugehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung.