Natur

Mit der Volkshochschule auf Urwaldpfaden

Reinbek (voe). Kennen wir unsere Umgebung? Haben wir eine Idee davon, welche Schätze sie birgt? "Nicht wirklich", meint Torsten Kubbe und bietet deshalb mit der Volkshochschule Sachsenwald Naturwanderungen im Sachsenwald und im Billetal an. Eine davon heißt "Gezähmte Wildnis und ein Eiserner Kanzler".

Wie der Titel vermuten lässt, geht es in dem sieben Kilometer langen Rundgang um den Restbestand eines ehemals undurchdringbaren Urwalds, den Sachsenwald, Schleswig-Holsteins größtes zusammenhängendes Waldgebiet. Und um Otto von Bismarck, der jenes Terrain als Anerkennung für seine Verdienste um die Reichsgründung von Kaiser Wilhelm I geschenkt bekommen hatte.

Vor der Einfahrt zu "fördern und wohnen" zweigt der Pfad "Uhlenbusch" ab. An diesem Morgen kommen dort ein Dutzend Wanderfreudige zusammen, plus zwei Hunde und ein Pferd. Ein Pferd? "Mich hat der Rundgang interessiert, weil ein Teil meine übliche Reitstrecke ist", erklärt Claudia Kaurisch. Sie hat ihren Lusitano-Hengst "Eloy" im Schlepptau. "Eloy" soll später Gefallen am Grünwuchs des Wegesrandes finden, während er Border Collie "Leddie" und Border-Collie-Mix "Louis" skeptisch im Blick behält. Als Kubbe seine Wandergruppe auf den Fahrenhorst zu führt, dann Richtung Schönau/Klingebein hin zum Hammelsberg steuert, um am Rande des Fahrenhorstes wieder zurück zum Parkplatz zu finden, erliegen Mensch und Tier gleichermaßen der Faszination der Natur.

So staunen etwa Peter und Birgit Eckharth aus Barsbüttel über eine Schwarzerle, deren Wurzeln bis in die Bille reichen. "Die Erle kann Stickstoff aus der Luft aufnehmen und ernährt sich auf diese Weise", erklärt Kubbe. Nur wenige Meter weiter gibt es die nächste Attraktion: Eine Eiche, deren Stamm von einem Pilz vereinnahmt wurde. "Der Baum ist dem Tod geweiht, aber Insekten wie dem Hirschkäfer bietet er so einen Lebensraum", sagt der Naturkundeführer.

Weiter geht's auf engen Trampelpfaden. Die Brennnesseln schießen bis zu zwei Meter in die Höhe. Hier wächst das Echte Springkraut, eine ursprüngliche mitteleuropäische Pflanze. Auch die Farne, erklärt Kubbe, seien Urgewächse. "100 Millionen Jahre alt", betont er, "die waren vor Eichen, Eschen und Buchen da." Kaum zu glauben, dass die Pflanzen Boten vom Rest eines Waldes sind, der sich einst von der Ostsee bis nach Niedersachsen erstreckte. "Man versucht hier nicht mehr in die Natur einzugreifen", erklärt Kubbe. So verlaufe die Bille immer noch in ihrer eiszeitlichen Schmelzrinne. Auch das Totholz lasse man liegen, um die Ausbreitung der Vegetation wieder der Natur zu überlassen. Kubbe: "Das können Sie als 'Wildnis heute' betrachten."

Nächste Wanderung: Sonntag, 28. September, 11 Uhr. Start: "Fürst Bismarck Mühle", Mühlenweg 3, Aumühle. Kosten: 7 Euro.

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