Bürgermeister

Dieter Giese (75) ist Stimmenerster

Aumühle (sho). Jung, frisch, modern und mit neuem Personal - so möchte sich die CDU in Aumühle präsentieren. Um diesem Bild zu entsprechen, hatte sich die Partei öffentlichkeitswirksam von Dieter Giese (75) distanziert, der 13 Jahre lang die Geschicke der kleinen Gemeinde geleitet hatte.

Aufs Abstellgleis wollte sich der 75-Jährige jedoch nicht so einfach stellen lassen und war zur Kommunalwahl, wie berichtet, als Einzelbewerber angetreten. Eine Entscheidung mit Folgen.

Seine einstigen Unterstützerparteien verloren am Sonntag massiv an Stimmen: Die CDU 11,4 Prozent, die UWG 11,9 Prozent. Die SPD musste einen Verlust von 4,2 Prozent hinnehmen. Gewinner waren die erstmals angetretenen Grünen mit 12,9 Prozent, die FDP mit 5,4 Prozent sowie die Einzelbewerber Dieter Giese und Rolf Czerwinski. Allein Dieter Giese gelang es, 261 Bürger für sich zu gewinnen - kein anderer Kandidat gewann in Aumühle so viele Stimmen wie er. Dem einstigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Czerwinski gelang es, 176 Aumühler zu überzeugen.

"Ich empfinde über das Ergebnis keine Genugtuung, freue mich aber, dass ich so breite Zustimmung erfahren habe", sagte Giese. Das Ergebnis zeige, dass man mit erfahrenen und bewährten Kommunalpolitikern nicht so umgehen könne, wie es die CDU mit ihm gemacht habe. Auch wenn die CDU und die UWG einen Teil der Stimmenverluste den erstmals angetretenen Grünen und der FDP zuschreiben, kommen sie derzeit nicht umhin, auch die Personalie Giese dafür verantwortlich zu machen.

Nun stellt sich im Sachsenwald die Frage nach dem neuen Bürgermeister. Und derzeit ist es gar nicht mal unwahrscheinlich, dass dies der alte - nämlich Giese - wird. "Wir hatten damit gerechnet, dass Dieter Giese eine breite Zustimmung erfährt", sagt Alexander Bargon (UWG). Seine Wählergemeinschaft könne sich vorstellen, den 75-Jährigen wieder zu unterstützen. Auch die SPD kann sich mit diesem Gedanken anfreunden. "Eine hohe Anerkennung dafür, dass es Dieter Giese als Einzelbewerber direkt geschafft hat", sagt der langjährige Fraktionsvorsitzende Klaus Baumann (68), der sich selbst aus Altergründen aus der aktiven Politik zurückzieht. Eine erneute Amtszeit Gieses sei denkbar, wenn eine geordnete Nachfolge bereits jetzt geregelt werde.

Auch die CDU, der Giese mit 75 Jahren zu alt war, schließt ein Votum für ihn nach der Wahl nicht mehr aus. "Wir unterstützen einen Kandidaten, der Konsens findet. Dieter Giese hat in Aumühle viel bewegt", sagt der CDU-Vorsitzende Henning Teetz (35). Man suche nach einem sehr erfahrenen Politiker, der den Laden zusammenhält.

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