Ehrung

Doppelte Auszeichnung für engagiertes Ehrenamt

Wentorf/Aumühle (ru). Das Ehrenamt spielt sich auf allen Ebenen des Lebens ab - manchmal in der Öffentlichkeit, manchmal aber auch im Stillen.

Gestern wurden in Kiel von Ministerpräsident Torsten Albig zehn Bürger, die sich in besonderer Weise engagieren, mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Unerwartete Post aus Kiel in Ohe

Für Dr. Werner Budesheim (71) aus Ohe kam die Ankündigung zur Verleihung der Auszeichnung völlig unerwartet. Er erhält öfter Post aus Kiel und dachte sich nicht viel dabei, als seine Frau ihm den dicken Umschlag überreichte.

Budesheim, der 1991 die Freie Lauenburgische Akademie (FLA) mit Sitz in Wentorf gegründet hat und seitdem Mitglied und Vorsitzender ist, nimmt die Ehrung als Repräsentant für die FLA entgegen. Ohne sein Team und ohne seine Familie wäre es ihm nicht möglich, seine Aufgaben wahrzunehmen, so der Oberstudiendirektor a.D.

Bis heute sind alle 13 Gründungsmitglieder der FLA noch aktiv dabei. Die gemeinsame Arbeit mit dem Ziel, Kultur und Bildung zu vermitteln und die wissenschaftliche Arbeit für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sei immer harmonisch gewesen. Etwa 170 Veranstaltungen bietet die FLA jährlich an. Die Themen reichen von historischen, geografischen, ökonomischen und rechtlichen bis hin zu Kunst, Literatur und Musik. Auf eines ist Budesheim stolz: "Wir finanzieren uns allein über die Mitgliedsbeiträge und Spenden." 300 Mitglieder halten der FLA die Treue.

Dr. Werner Budesheim hat in Marburg Germanistik, Geografie und Geschichte studiert. Seine Frau Ulrike hat er während des Studiums kennen gelernt, komplett wird die Familie durch zwei Töchter. Gemeinsame Stationen im Berufsleben der Budesheims waren Gymnasien in Lübeck und Wentorf, an dem er von 1965-1982 unterrichtete. Inzwischen ist der Schuldienst beendet und nur auf eines wartet Budesheim noch: Er würde gerne Opa werden.

Von Mitstreiterinnen vorgeschlagen

Für die Aumühler Tanzpädagogin Sonne Leddin kam die Auszeichnung nicht überraschend. Gemeinsam mit Ärzten und Apothekern hat sie 1996 die "Medikamentenhilfe für Menschen in Not" gegründet. Für das Verdienstkreuz vorgeschlagen wurde Sonne Leddin von zwei Mitstreiterinnen. "Ich wusste seit einiger Zeit davon, weil ich Unterlagen an den Ministerpräsident nach Kiel schicken musste", so Leddin, die die Auszeichnung im Namen des Vereins entgegen nimmt. Weil die "Medikamentenhilfe" auch im Ausland aktiv ist, wurde geprüft, ob die Hilfstransporte bei den Empfängern ankommen.

Zweimal jährlich sammelt sie mit ihrem Helfer-Team in mehr als 150 Arztpraxen und Apotheken Medikamente ein, die dort aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr verwendet werden können, aber nicht abgelaufen sind. Die Medikamente werden zuerst nach den Verfalldaten und durch Ärzte und Apotheker nach medizinischen Fachgebieten sortiert. Ein Helferteam verpackt sie in Kartons, die in der jeweiligen Landessprache beschriftet werden. Der Transport zu den Empfängern erfolgt über Hilfsorganisationen und wird durch Spenden finanziert. "Wir haben mehr als 1800 Kartons mit Medikamenten im Wert von rund 3,2 Millionen Euro verschickt", berichtet Sonne Leddin stolz.

Verdienstkreuz am Bande: des Landes Schleswig-Holstein" wurde 2008 zum ersten Mal verliehen. Er löste die Schleswig-Holstein-Medaille ab und ist eine Geste des Staates, um herausragende Leistungen zu würdigen. Jeder Bürger kann ehrenamtlich engagierte Personen vorschlagen.

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