Feuerwerk

Er schießt neue Knaller in den Himmel über Reinbek

Reinbek. Bunte Blumen, meterhohe Fontänen, glühende Herzen, sogar den Schriftzug "Ich liebe dich" können Pyrotechniker in den Himmel zaubern. Der Fantasie der Feuerwerks-Künstler sind kaum noch Grenzen gesetzt.

Erstmals erfreuten sich Menschen Ende des 14. Jahrhunderts an dem Schauspiel. Die Erfindung des Schwarzpulvers machte es möglich. Seitdem ist die Faszination für das Leuchtfeuerwerk ungebrochen. Es berührt die Seelen. Und das, obwohl ein Feuerwerk eigentlich niemand braucht, wie Wolfgang Jahncke mit einem Lächeln zugibt. Seit 43 Jahren lässt es der 69-Jährige ordentlich krachen. Und das nicht nur an Silvester. Das ganze Jahr über kann man bei dem Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Jahncke-Papier aus Reinbek Feuerwerkskörper erwerben. Ausschließlich an Einzelhändler und nicht an Endkunden verkauft er das, was den Zuschauern ein "Ahh" und "Ohh" entlockt.

Jedes Jahr im September ist Probeschießen

Damit die Händler aus ganz Norddeutschland wissen, was sie ihren Kunden Silvester anbieten, lädt Jahncke jedes Jahr im September zum "Probeschießen". Sobald sich die Dunkelheit über das Gewerbegebiet gelegt hat, feuert er die Neuheiten der Saison ab. Eine Modenschau für Raketen sozusagen, bei dem die Fachleute sich informieren können, was die neue (Feuerwerks-) Saison so bringt.

Mit Klemmbrett und Stift ausgestattet, bewerten sie das Himmelsspektakel nach den Kategorien "Klasse", "sehr interessant" oder "eher langweilig." Damit das Kreuzchen möglichst oft einen Volltreffer markiert, fährt der Reinbeker jedes Jahr ab Januar auf Fach-Messen in ganz Deutschland.

Farbig und bunt - das seien die Dauerbrenner seit Jahren. China-Böller hingegen sind seit langem nicht mehr angesagt. "Machen einmal Knall und dann viel Dreck. Das will keiner mehr", sagt Jahncke. Wert werde sehr auf Sicherheit gelegt. Die Zeiten, in denen einzelne Raketen in Flaschen abgeschossen werden, seien endgültig vorbei. "Der, der die Rakete zündete, hatte selbst gar nichts davon und hat sich zudem noch in Gefahr gebracht", zieht der 69-Jährige Bilanz. Heute werden Feuerwerkskörper größtenteils im Verbund verkauft. Das heißt, es wird einmal eine Lunte gezündet, die dann eine Kettenreaktion auslöst. Die ganz großen, neuen Knaller seien in den nächsten Jahren vermutlich jedoch nicht zu erwarten. Denn mehr als 500 Gramm Netto-Explosionsmasse sind derzeit nicht erlaubt.

Dass das Feuerwerk jemals aus der Mode kommt, kann sich Wolfgang Jahncke nicht vorstellen. Selbst die Aktion "Brot statt Böller" habe die Verkaufszahlen nicht gemindert. Etwa 200 Euro lassen sich die meisten Haushalte das Schauspiel Silvester kosten. "Mittlerweile heißt das Motto 'Brot und Böller'", weiß der Händler. Denn Böller bedeuteten Arbeitsplätze und eine Verbesserung der sozialen Infrastruktur, beispielsweise in China. "Dass es einen Standard gibt wie bei uns, werde ich aber wohl nicht mehr erleben", so der Endsechziger.

Müsste er selbst ein Feuerwerk komponieren, würde er mit sanften, höchstens drei bis fünf Meter hohen Fontänen beginnen, und sich dann in der Höhe und Intensität langsam steigern. Am Ende würde ein Knalleffekt den Schlusspunkt setzen - wie bei vielen Ehen. Feuerwerk bei Scheidungen ist übrigens der neueste Trend.