Austausch

Ausgelassene Wasserspiele statt Leuchtsterne

Reinbek (amü). Wenn heute um Mitternacht draußen mit Böllern das neue Jahr 2013 begrüßt wird, schlüpft auch Ping in Reinbek in seine warme Jacke.

Dabei verbindet der 16-Jährige mit dem Neujahrsfest eher heiße, schwüle Tage und ausgelassene Wasserspiele. Denn Napat Sangsasitorn, so sein amtlicher Name, kommt aus Thailand. Hier beginnt das neue Jahr am 13. April. Dann steigen die Temperaturen schon mal auf 40 Grad.

"Feuerwerke? Ja, die kenne ich auch aus meiner Heimatstadt", sagt der Austauschschüler. Es gibt in Bangkok am 31. Dezember schließlich auch das englische, amtliche Neujahrsfest. Doch das wichtigste bleibe Songkran, bis 1888 noch der offizielle Beginn des buddhistischen Jahres. Der Feiertag steht im Zeichen der Reinigung und des Neubeginns und mündet in eine ausgelassene Wasserschlacht. Während ältere Thais freundlich eine Schale Wasser über dem Gegenüber ausleeren und dabei ein gutes neues Jahr wünschen, sind Jugendliche mit Eimern und Spritzpistolen unterwegs.

"Traditionell sind in den drei Feiertagen auch Verwandtenbesuche", erzählt Ping. In seiner Heimat werden die Familienbande über Generationen zusammengehalten, häufig unter einem Dach: "Oma, Opa und Tante wohnen mit in unserem Haus", so Ping. Auch religiöse Traditionen werden gelebt. "So sah ich einmal aus", sagt Ping lachend und zeigt das Foto eines Mönches. Als Zehnjähriger war auch er sieben Tage in einem buddhistischen Kloster, hat mit den Bettelmönchen um Almosen gebeten.

Seine Gastfamilie hat der modern wirkende Teenager mit dieser Geschichte überrascht. Hier unterscheidet sich das Leben des jungen Thailänders kaum von dem der beiden Söhne der Güldensteins. Im Einfamilienhaus bastelte er gerade noch mit dem Gastvater an seinem Rennrad, das er sich gekauft hat. "Ich fahre gern mit dem Fahrrad zur Schule." In der verkehrsstarken Metropole Bangkok könne er das nicht. In Reinbek genieße er die Freiheit, fahre sogar schon mal eine andere Gastschülerin der Organisation YFU (Youth for Understanding) in Mümmelmannsberg besuchen.

Seit Juli ist Ping in Reinbek, besucht das Sachsenwaldgymnasium. Am ersten Schultag hatte er kaum etwas verstanden. "Sein Deutsch wird aber täglich besser", sagt seine Gastmutter Elke Güldenstein, die sich anfangs auf Englisch mit ihm verständigt hat. Jetzt kann sich der Gymnasiast, der Übersetzer werden möchte, auf Deutsch unterhalten.

Mit dem Land hat er bisher vor allem Bilder von Schlössern und Altbauten verbunden. "Es ist moderner als ich dachte", so Ping. Bratwurst war für ihn ein exotisches Gericht und ist jetzt seine Lieblingsspeise. Seine Gastfamilie hat er mit thailändischen Currygerichten begeistert. Ping fühlt sich hier wie zu Hause und wird um 24 Uhr mit einem Schwarzbier anstoßen.