Künstler

Spektakuläre Skulpturen aus Bronze und Stahl

Aumühle. An der Kunst des Franzosen Jean-Jacques Tosello kommt so schnell keiner vorbei. Meterhoch ragen seine Metall-Skulpturen in den Himmel.

Erstaunliche 35 Meter misst allein die Christus-Statue, die ein Privatmann in Buenos Aires in Auftrag gegeben hat.

Namen von Menschen, die Großes bei ihm bestellen, nennt er normalerweise nicht. Eines jedoch verrät der Künstler, der an diesem Wochenende in Aumühle zu Gast war: In den vergangenen Wochen hat er an einer Skulptur für Carla Bruni gearbeitet. Elegant, leger und sympathisch - so hat er die Frau des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy dargestellt. Im Elysee-Palast, dem Amtssitz des Präsidenten, wird das Kunstwerk nach dessen Abwahl nun nicht mehr stehen. Tosello ist jedoch sicher, dass die Skulptur in Brunis großem Haus einen würdigen Platz finden wird. Ihre Freunde jedenfalls haben das Ergebnis bereits abgesegnet.

Dürften sich Elisabeth und Peter Ruge etwas wünschen, wäre es eine Ausstellung seiner Werke im Reinbeker Schloss und dessen Park. Das Journalisten-Ehepaar aus Aumühle, das jüngst die Chopin-Gesellschaft Hamburg-Sachsenwald gründete, kennt Jean-Jacques Tosello seit 20 Jahren. Einige seiner kleineren und handlicheren Arbeiten begleiten die beiden seit langem. Umwerfend und spektakulär finden beide das, was ihr langjähriger Wegbegleiter in seinem Atelier in einem kleinen, abgeschiedenen Bergdorf kreiert. Das kennen die beiden Weitgereisten sehr gut. Kein Urlaub an der Côte d'Azur vergeht, ohne dass das Ehepaar einen Blick in die Werkstatt wirft.

Dort hantiert Jean-Jacques Tosello mit Hammer und Amboss, zum Teil über offenem Feuer. Eine handwerklich anstrengende Arbeit, die ebenso viel Fingerspitzengefühl erfordert. Während ein Maler immer mal wieder den Pinsel ansetzen kann, muss sich der Franzose irgendwann von seinem Werk trennen. Veränderungen sind bei dem schweren Material, das er verarbeitet, ab einem bestimmten Punkt nicht mehr möglich.

In erster Linie müsse ihm selbst das gefallen, was er in wochenlangen Prozessen mit seinen eigenen Händen geschaffen habe, sagt er. Ein Selbstbewusstsein, das er sich leisten kann, hat er doch weltweit eine große Fangemeinde, die immer größer wird.

Vier bis fünf große Skulpturen schafft Tosello, der früher jahrelang mit seinem Saxofon in einem Jazz-Orchester spielte, pro Jahr. Meistens fällt ihm der Abschied von ihnen leicht. Eine jedoch gibt er nicht her: Sie zeigt in Lebensgröße ein kleines Mädchen auf einer Schaukel, ihre Haare wehen im Wind. Ihr Name: Chiara - seine Enkelin.