Basar

Kitsch, Kunst und Krempel

Reinbek. An der Kisten-Front führt Petra Jäger das Regiment.

Kleine Buddelschiffe, Kindergitarren, Raclette-Sets, Singles von Nana Mouskouri, Puppen, Puzzles, Brettspiele, Dessertschalen aus Glas, Spieluhren - alles geht durch die Hände der Reinbekerin, die seit 28 Jahren den Basar im Gemeindehaus der Maria-Magdalenen-Kirche an der Kirchenallee mitorganisiert. Während andere Helfer Kisten und Kartons nach und nach in die erste Etage hieven, entscheidet Petra Jäger, was sich beim Basar für welchen Preis verkaufen lässt. "In all den Jahren bekommt man ein Gespür dafür, was geht und was nicht", sagt sie.

Genau wie ihre Mitstreiter koordiniert sie seit Anfang November das absolute Chaos. Das gesamte Gemeindehaus steht voller Kisten, Kartons und loser Plastiktüten. 30 bis 40 Prozent dessen wird erfahrungsgemäß am Sonnabend (1. Dezember) von 11 bis 17 Uhr sortiert und ansprechend präsentiert tatsächlich den Besitzer wechseln. Und schon viele haben nicht nur ein Schnäppchen, sondern eine echte Rarität mit nach Hause genommen. Stickbilder aus dem Jahr 1701 waren ebenso dabei wie ein Teller aus Meißner-Porzellan, der für stolze 150 Euro den Besitzer wechselte. "Die richtigen Kenner kommen schon in der ersten halben Stunde", weiß Karin Kolbe. Mit geübtem Blick erspähen sie das wirklich Wertvolle zwischen lauter Skurrilitäten, Kitsch und Kunst. 9000 Euro hat die Gemeinde 2011 auf ihrem Basar eingenommen. Dafür schuftet jeder Helfer allein im Vorfeld mindestens 60 Stunden ehrenamtlich.

"Stellt man die Arbeitsstunden der Helfer und den Gewinn gegenüber, ist das natürlich eine betriebswirtschaftliche Katastrophe", scherzt Pastor Rolf Kemper. Doch die Leidenschaft, mit der die Helfer bei der Sache seien, und die Gemeinschaft, die entsteht, seien unbezahlbar.

Bezahlbar, wenn auch mit 25 000 Euro teuer, ist hingegen die derzeitige Sanierung der Maria-Magdalenen-Kirche. Sie steht seit 111 Jahren wie ein Fels in der Brandung an der Kirchenallee. Doch wer genauer hinschaut, erkennt, dass an einigen Stellen der Zahn der Zeit genagt hat. "Damit sie auch noch weitere Jahrhunderte steht, wird jetzt an einigen Stellen saniert", erklärt Pastor Kemper.

Die Südseite des imposanten Gotteshauses ist derzeit eingerüstet. Eine neue, 22 Meter lange Regenrinne aus Kupfer schmückt das Gebäude bereits. Die alte war arg mitgenommen, zum Teil sogar von heruntergefallenen Dachschindeln durchschlagen. Im Zuge der Sanierung werden auch die Fugen ausgebessert. "Die Maurer haben 1900 extrem schmale Fugen gemacht. Der Kalk wurde großflächig auf die Steine aufgetragen und mit der nächsten Steinschicht einfach platt gedrückt. Der Kalk, der rausquoll, wurde als letztes einfach abgewischt. Heute ist es eine wahre Sisyphusarbeit das nachzubessern", erklärt Pastor Rolf Kemper, der sich selbst regelmäßig in schwindelerregender Höhe vom Fortgang der Bauarbeiten überzeugt. Im kommenden Jahr kann er noch höher hinaus. Am 30 Meter hohen Turm werden ebenfalls alle Fugen neu gemacht.