Selbstversuch

Mit Holzschnitzerei Zahnbürste ersetzt

Reinbek. Am schlimmsten waren die Nächte. "Alle drei Stunden bin ich aufgewacht, weil es so kalt war", sagt Alexander Schliephorst. Dann musste er das Feuer in Gang bringen und Holz auflegen, bevor er weiterschlafen konnte.

Der 19-Jährige, der zurzeit ein Freiwilliges ökologisches Jahr beim BUND Stormarn absolviert, hatte in der vergangenen Woche das warme Bett in einer Bergedorfer Wohngemeinschaft gegen ein Schaffell eingetauscht, das ihm sieben Tage als Schlafstätte diente.

Schutz gegen Wind und Wetter bot eine Jurte. Das Wohnen in dem Zelt der Nomaden gehörte zu dem Projekt "Eine Woche ohne Plastik", dem sich Alexander freiwillig stellte. Von Sonntag bis Sonntag lebte er im Garten des Couvoirsierhauses.

Einzig auf seine Brille, ohne die er völlig aufgeschmissen wäre, und das Klo im C-Haus verzichtete er nicht. Auch sein Fahrrad nutzte er trotz diverser Plastikteilchen. "Es war immer noch die umweltfreundlichste Alternative, um zu meinen Arbeitsplätzen in Reinbek, Glinde und Boberg zu gelangen." Der Selbstversuch "sieben Tage ohne" hieß schließlich nicht, dass er seinen Job vernachlässigte. Dazu zählt die Mitarbeit im Waldkindergarten genau so wie im Naturschutz-Infohaus in Boberg. Die Waldkinder besuchten ihn während des Projektes, grillten Stockbrot über dem offenen Feuer und tobten im Garten herum. Das Wetter spielte glücklicherweise einigermaßen mit. Doch auch ohne viel Regen und trotz moderater Temperaturen war es eine Herausforderung mit zahlreichen Entbehrungen.

"Am meisten habe ich mein Bett vermisst", sagt Alexander. Auch seine Musik und der Kontakt zu den Freunden per Handy fehlten ihm. "Die Nächte können lang und einsam sein", hat er festgestellt.

Statt Schlafsack deckte er sich mit Schaffellen zu und lieh sich zu Beginn des Projektes bei Christiane Sturm vom BUND eine Baumwolldecke zusätzlich aus. Das Zähneputzen mit dem Wurzelholz, das er immer wieder neu schnitzte, fiel nicht schwer. Auch das Kochen über der offenen Feuerstelle war zwar umständlich, aber zu bewerkstelligen, wie Alexander findet.

"Beim Einkaufen muss man aber ziemlich aufpassen, weil viele Dinge in Plastik verpackt sind." Frische Lebensmittel hat er auf dem Wochenmarkt eingekauft. Sein Speisezettel bestand überwiegend aus Spaghetti aus der Pappschachtel und Tomatensoße, die er selbst herstellte. Auch frische Gemüsesuppe, Brot und Wurst sowie Obst zählten zu den Nahrungsmitteln der vergangenen Woche. Heißer Tee, den er lose kaufte, löschte den Durst, erlaubt waren auch Glasflaschen mit Keramikdeckel für kalte Getränke.

Ihm sei klar, dass man nicht völlig auf Plastik verzichten könne: "Aber mit dem Projekt will ich darauf aufmerksam machen, wie viel Plastik wir im täglichen Leben benutzen." Denn Kunststoff verschmutzt langfristig die Umwelt. "Wer dort, wo es möglich ist, darauf verzichtet, schützt unseren Planeten", sagt er.