Tetra Pak

Kleine Getränketüte mit großer Karriere

Reinbek. Eine kleine Pyramide, die auch in Reinbek "Familienangehörige" hat, wird 60. In den 50er-Jahren war die Tüte der Pausenfüller. Tausende Kinder wurden aus den ersten Tetra-Pak-Kartons mit frischer Milch versorgt. Damals eine Sensation, denn bis dahin gab es flüssige Lebensmittel nur aus schweren Glasflaschen.

Aus der genial einfachen Idee ist ein internationaler Konzern mit mehr als 20 000 Mitarbeitern erwachsen. Die schwedischen Verpackungskünstler portionieren heutzutage nicht mehr nur Milch. Die Nachfolger der Innovation begegnen den Verbrauchern in unendlichen vielen modernen Verpackungen. Mit Maschinen mit dem dreieckigen Logo werden heute weltweit Desserts, Fruchtsäfte oder auch Suppen und Saucen hergestellt.

Für Deutschland ist der Sitz der Processing-Sparte in Reinbek. Hier werden die Anlagen konstruiert und vertrieben. "Ein großer Teil unserer am Standort arbeitenden rund 70 Mitarbeiter sind daher Ingenieure, die auch vor Ort bei den Kunden die Anlagen in Betrieb nehmen", erläutert Sabine Krohn, Marketing Koordinatorin der Tetra Pak Processing GmbH. Und es gibt eine weitere prominente Verbindung in die Schlossstadt. Der Reinbeker Unternehmer Jürgen Rickertsen, nach dem der Senioren-Treff benannt ist, füllte einen Orangensaft mit dem berühmten Namen "Sunkist" im Tetraeder ab.

"Eine Verpackung sollte mehr sparen, als sie kostet", war die Devise des Erfinders der Tüte mit der vielseitigen Karriere. Dr. Ruben Rausing hatte schon in den 40er-Jahren nach einer Idee für eine Milch-Verpackung ohne Glas gesucht. Durch die aseptische Abfülltechnologie war es möglich, Milch länger haltbar zu machen. Eine Aluminiumfolie an der Innenseite schützt Lebensmittel vor Licht, Sauerstoff und Bakterien. Mittlerweile gibt es rund 7000 Varianten der Kartons, auch in der stapelbaren Brick-Form (englisch für Ziegelstein), rechnet man alle Größen, Formen und Verschlussvarianten zusammen. 1952 wurde die erste Tetra-Pak-Abfüllmaschine an eine Molkerei in Lund, Schweden, ausgeliefert, 1954 folgte die erste an die Alster-Milchwerke, die Schulen mit Milch versorgte.

Auch ein findiger Unternehmer aus Bergedorf setzte auf die Milchproduktion: Wilhelm Bergner war der Gründer der Bergedorfer Eisenwerke. Er machte ebenfalls aus einer schwedischen Erfindung Geld und vertrieb den ersten Separator, den Gustaf de Laval 1878 erfunden hatte. Die Maschine wird bis heute zur Trennung von Milch und Rahm eingesetzt. Als die Eisenwerke in finanzielle Schwierigkeiten kamen, übernahm 1907 das schwedische Unternehmen AB Separator (später Alfa Laval) das Unternehmen. Damit war längst nicht der Rahm abgeschöpft. Die Firma expandierte und als Bergedorf das Zentrum nach modernen Stadtplänen umgestalten wollte, wurde das Werk 1974 auf die Grüne Wiese verlegt.

1991 kam schließlich zusammen, was zusammen gehört: Alfa Laval, einer der weltgrößten Lieferanten für Verarbeitungsanlagen für die Lebensmittelindustrie, und Tetra Pak. Ab jetzt gab es die Verarbeitung und die Abfüllung der Milch aus einer Hand. Der Tetra Laval-Konzern war geboren. Tetra Pak produziert heute weltweit mehr als 167 Milliarden Verpackungen pro Jahr.

Der Tetra Laval Konzern gliedert sich in De Laval, Produktionssysteme, Tetra Pak für Verarbeitungsanlagen Kartons sowie Sidel, Anlagen für Glas- und Pet-Flaschen. Tetra Pak Deutschland wurde 1955 gegründet. Umsatz: 455 Mio. Euro. Der Industriezweig Alfa Laval in Glinde wurde 2000 verkauft.