Ehrenamt

Innenminister ehrt verdiente Kommunalpolitiker im Schloss

Reinbek (kv). Pressetermine kannten die Geehrten ja schon. Aber ein derartiges, nicht enden wollendes Blitzlichtgewitter zeugte gestern im Schloss dann doch von Außergewöhnlichem:

Innenminister Andreas Breitner (SPD) hatte soeben 29 Männer und fünf Frauen für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Kommunalpolitik mit der Freiherr-vom-Stein-Verdienstnadel ausgezeichnet. "Die freiwillige Arbeit für das Gemeinwohl vor Ort ist Ausdruck gelebter Demokratie", sagte Breitner während der Feierstunde im Reinbeker Schloss. Unter den Geehrten war auch Volker Müller (64) aus Reinbek.

Müller ist seit 1994 als Mandatsträger Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Er war und ist Mitglied in verschiedenen kommunalen Ausschüssen, beispielsweise im Ausschuss für Bau, Stadtentwicklung und Verkehr, im Jugend- und Sportausschuss sowie im Sozialausschuss. 14 Jahre schon arbeitet er im Hauptausschuss und im Finanzausschuss mit. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil Müller stark sehbehindert ist. "In der vierten Klasse konnte ich plötzlich an der Tafel nichts mehr lesen. Ich hatte rund 97 Prozent meiner Sehkraft verloren", so Müller. "Menschen mit Behinderung sollen sich ruhig mehr in der Politik engagieren", konstatiert der Unermüdliche schon seit Jahren. Er ließ auch nach Verleihung der Verdienstnadel keinen Zweifel daran, dass er die Auszeichnung als Ansporn sieht, weiterhin als Vorbild zu dienen.

Innenminister Breitner appellierte an die Kommunalpolitiker, die Pläne der Koalitionsfraktionen von SPD, Grünen und SSW für eine erweiterte und leichtere Bürgerbeteiligung als Chance zur Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung zu sehen. "Ich bin überzeugt, dass sich wieder mehr Menschen um ihre örtlichen Angelegenheiten kümmern, wenn sie wissen, dass es auch auf sie ankommt", sagte der Minister. Der "Ohne-mich-Mentalität" müsse man etwas entgegen halten. "Der Dialog zwischen Verwaltung, Kommunalpolitikern und Bürgern wird enger und intensiver", versprach er. Unmittelbare Bürgerentscheidungen, die die neue Landesregierung intensivieren wolle, und die repräsentative Demokratie seien zwei Seiten derselben Medaille.

Verdienstnadel für ehrenamtliches Engagement

Die Freiherr-vom-Stein-Verdienstnadel (früher: Verdienstmedaille) wurde anlässlich des 200. Geburtstages des Reichsfreiherrn Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein am 26. Oktober 1957 gestiftet. Sie wird alljährlich vom Innenminister des Landes Schleswig-Holstein verliehen. Geehrt werden Frauen und Männer, die sich durch ihre ehrenamtliche Arbeit, langjähriges Engagement und die Wahrnehmung herausragender Funktionen besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung erworben haben.