Bürger-Engagement

100 Grün-Paten harken freiwillig Laub

Reinbek. Frei nach dem Motto "Was ich nicht sehe, kann auch nicht vom Baum gefallen sein" ignorieren dieser Tage viele Hausbesitzer hartnäckig das Laub, das sich auf ihrem Grundstück oder vor ihrer Haustür sammelt.

Diese Einstellung können viele Reinbeker überhaupt nicht verstehen. Zusätzlich zu ihren eigenen Grundstücken pflegen sie nämlich noch freiwillig und ehrenamtlich städtisches Grün und unterstützen damit tatkräftig die 31 Mitarbeiter des Reinbeker Betriebshofes.

Mit Feuereifer hat beispielsweise Hans-Rüdiger Loesener von Tempsky in dieser Woche zur Harke gegriffen und seinen Rasentrecker vollgetankt, um das Laub auf dem Verbindungsweg zwischen Kreutzkamp und Schaumanns Kamp einzusammeln. "Ich habe es vor meiner Haustür einfach gern schön", sagt Loesener von Tempsky. Hundert Reinbeker tun es ihm gleich und machen aus Grünflächen Kleinode. Im Schneewittchenweg haben sich zahlreiche Nachbarn zusammengetan.

"Angefangen hat alles in einem sehr heißen Sommer vor mehr als 15 Jahren", erklärt Rathausmitarbeiterin Sigrun Richter, die Paten und Grün zusammenbringt. Der damalige Bürgermeister Manfred Neumann bat die Bürger, das städtische Grün vor ihren Haustüren zu gießen. Vielen gefiel das so gut, dass sie längerfristig Verantwortung übernehmen wollten.

Bei der Gestaltung haben die Grün-Paten völlig freie Hand und dürfen für die Bepflanzung 25 Euro pro Quadratmeter ausgeben, die sie von der Stadt erstattet bekommen. Während es im Frühjahr eine Freude sein kann, bunte Blumen zu pflanzen, scheuen sie auch im Herbst die Arbeit nicht. Einige, wie Loesener von Tempsky, greifen im Winter sogar zur Schneeschaufel, um städtische Wege freizuhalten. Eine Verkehrssicherungspflicht haben die Paten für ihre Fläche nicht. Stolpert beispielsweise jemand unglücklich, haftet weiterhin die Stadt. Die Arbeit insgesamt ist dennoch eine große Hilfe für das Betriebshofteam, das durchschnittlich pro Herbstsaison allein 480 Tonnen Laub einsammelt.

Mitarbeiter wie Matthias Köster (43) freuen sich über jeden, der selbst zur Harke oder zum Laubsauger greift. "Wir unterstützen die Bürger gern bei der Arbeit. Nicht in Ordnung ist es aber, wenn einige einfach das Laub vom eigenen Grundstück auf die Straße fegen, damit wir es wegkehren", sagt der 43-Jährige. Seine Beobachtung: Einige schieben gleich noch Rasenschnitt oder Baumschnitt hinterher.

Die Grün-Paten erleichtern ihm auch deshalb den Berufsalltag, weil sie die zeitintensive Vorarbeit machen. Den imposanten Laubhaufen, den Hans-Rüdiger Loesener von Tempsky zusammengeharkt hat, schluckt der städtische Laubsauger dann binnen weniger Minuten.