Einsatz

Eltern machen für Mensa Überstunde

Reinbek. Der Bau der Mensa am Sachsenwald-Gymnasium ist eine Erfolgsgeschichte. In Rekordtempo hatte die Stadt den Anbau für die neue Cafeteria und sieben Klassenräume fertiggestellt. Beim Betreiber für die Schulküche hatte die Stadt nicht so viel Glück.

Die neue Mensa blieb, wie berichtet, nach nur vier Betriebstagen kalt. Die 1200 Schüler, von denen etwa 150 täglich ein warmes Mittagessen bestellen, müssen dennoch nicht hungern. 100 engagierte Eltern sorgen jetzt täglich dafür, dass zur Mittagszeit ein warmer Imbiss bereitet wird.

"Sie bleiben nach dem Frühstücksservice einfach eine Stunde länger", sagt Gunilla Hinderer, die den Einsatz der Köche an der Schule koordiniert. "Das ist die beste Lösung, um den Engpass aufzufangen, bis ein neuer Pächter gefunden ist", sagt Hinderer. Es könne schließlich niemand etwas dafür, dass der Betreiber kurzfristig ausgefallen ist. Die Stadt hält sich mit den Gründen bedeckt, vermutlich war er insolvent geworden. Der kommissarische Schulleiter Hans-Jürgen Reul hofft, dass die Stadt jetzt möglichst schnell Ersatz findet. Bürgermeister Axel Bärendorf hat bereits geklärt, dass das zweite Unternehmen auf der Bewerberliste kurzfristig nachrücken könnte. Dafür gibt es heute ein Gespräch mit dem Bewerber. Ein Team aus drei Schülern, drei Lehrern und drei Eltern hatte nach einem Kriterienkatalog aus der Bewerberliste eine Vorauswahl getroffen. Die Namen der Anbieter waren geschwärzt, so Klüver, aber aus Speiseplänen, Organisation und Vorschlägen für die Abrechnung sei eine schülergerechte Vorauswahl getroffen worden.

Bis der Pächter das Kommando übernehmen kann, schieben Eltern Sonderschichten. "Heute gab es warmen Leberkäse in Brötchen", sagt Oberstufenleiter und "Mensa-Leiter" Thorsten Klüver. Die Kochmütter, Väter und Großväter haben Erfahrungen mit der Essensversorgung. Sie starteten Mitte der 90er-Jahre. Waren es anfangs 40 Eltern, die freiwillig regelmäßig die Schüler versorgten, sind es inzwischen 100.

Allerdings ist das kreative kulinarische Team schnell vom eigenen Erfolg eingeholt worden. Alle 14 Tage hielten sich die Mütter und Väter je einen Tag frei, um zu schnippeln, Gemüse zu putzen, Brötchen zu belegen und eine warme Mahlzeit zu bereiten. Schließlich sprengte das Kochen den ehrenamtlichen Rahmen. Deshalb wollten sie diesen Teil der Arbeit in professionelle Hände in der neuen Mensa abgeben.