Illusion

470 Magier verzaubern die Stadt und auch iPads

Reinbek. Ein iPad ist nicht einfach nur ein iPad. Wenn Simon Pierro es in die Hand nimmt, steigt der Tablet-Computer als rosaroter Ballon in die Luft.

Oder der Künstler zieht die Bildschirmoberfläche wie eine Schublade von dem magischen Gerät. Mit dem Strohhalm trinkt er ein virtuelles Glas leer und pustet danach die Frisur einer Fernsehansagerin auf dem Bildschirm durcheinander.

Simon Pierro ist der iPad-Magier. Seit er seine Illusionskunst auf der Videoplattform YouTube vorführt, haben zwölf Millionen Nutzer seine Tricks gesehen. Entdeckt wurde das Talent von Frank Elstner für die Show "Verstehen Sie Spaß". In seinen Zauberstreichen als Lockvogel verblüffte er das Fernsehpublikum, ließ unter anderem Autos von Passanten mit einem Fingerschnippen aus dem Parkverbot verschwinden.

Wer Glück hat, kann den studierten Wirtschaftsingenieur, der inzwischen von der "Gauklerei" lebt, auf der Reinbeker Bühne sehen. Denn zurzeit verzaubern mit ihm 470 Illusionskünstler die Stadt. Der Magische Zirkel feiert sein 100. Jubiläum. "Wir haben uns selbst mit den weltbesten Magiern beschenkt", sagt Sprecher Dirk Omlor. Die Karten für die Vorstellungen im Sachsenwald-Forum sind seit Tagen vergriffen. "Wir freuen uns über die Resonanz", sagt Omlor. Der Zirkel hätte sich gern einem größeren Publikum geöffnet. Aber dafür wären die Räumlichkeiten zu klein gewesen. Aus dem gleichen Grund konnten sich gestern nur Mitglieder in der Zaubermesse mit Tricks bei Kollegen eindecken.

Ein Kartentrick verblüfft Laien: Auf einer Tafel erscheint statt deren Initialen plötzlich die zuvor gezogene Karte. Der Trick war für 60 Euro samt Anleitung zu haben. Gauklertische, Finger-Guillotinen oder Knopflochzauberstäbe - Hakan Varol aus Paderborn hat die leicht zu erlernenden Tricks selbst erfunden oder abgewandelt und vertreibt sie im Internet.

Wer dem Magischen Zirkel beitreten möchte, muss allerdings viel üben und eine Aufnahmeprüfung ablegen oder zuvor mit Referenzen wie außergewöhnlichen Bühnenauftritten überzeugen. So wurden Eckart von Hirschhausen oder Jürgen von der Lippe prominente Mitglieder unter den inzwischen 2900 Zauberern im Zirkel. Grundsätzlich gilt: Trickgeheimnisse werden an Außenstehende nicht verraten, dazu haben sich alle Mitglieder verpflichtet.

In seinem schwarzen Anzug versteckt auch der amtierende Magierweltmeister Yu Ho-Jin aus Korea seine Geheimnisse für die Tricks in der Manipulationssparte. Der 19-jährige hat sich spezialisiert auf alles, was mit der Geschicklichkeit mit Händen zu tun hat und übt für diese Kunst acht Stunden am Tag. Anzusehen ist dem eleganten Zauberer die technische und sportliche Höchstleistung nicht. "Ich möchte mit Gefühl und Emotionen überzeugen", sagt er.

Homepage des Magischen Zirkels: www.mzvd.de . Jüngere Zauberer tauschen sich auf www.trixxbox.de aus.