EC-Karten-Klau

Haftstrafen für dreiste Diebinnen

Reinbek. Im Warteraum vor dem Sitzungssaal des Amtsgerichts Reinbek hatte Mariana S. noch deutlich hörbar über einen Freispruch spekuliert, bei der Urteilsverkündung brach die 33-Jährige dann in Tränen aus:

Zwei Jahre Freiheitsstrafe ohne Bewährung, ihre Schwester Radmila D. (35) muss für anderthalb Jahre ins Gefängnis. Deren Ehemann Frank D. kam mit 900 Euro Geldstrafe davon.

Das Trio aus Serbien war im südlichen Kreis Stormarn und in Geesthacht immer nach der gleichen Masche vorgegangen: In Supermärkten wurden Kundinnen durch ein Gespräch oder "versehentliche" Rempeleien abgelenkt, blitzschnell verschwand die Geldbörse aus der Handtasche. In der nächsten Bankfiliale hoben die Diebinnen mit den EC-Karten hohe Geldbeträge ab (wir berichteten). Das wurde ihnen in einigen Fällen sehr leicht gemacht, weil die Geheimzahl der EC-Karte auf einem Zettel in der Geldbörse notiert war.

Der Staatsanwalt wollte die beiden Frauen noch einmal mit Bewährungsstrafen davonkommen lassen. Für Mariana S. beantragte er ein Jahr und zehn Monate, für Radmila D. ein Jahr und drei Monate. Für Frank D. forderte er ein Jahr auf Bewährung. Nur der kam mit einer deutlich milderen Strafe davon. Das Schöffengericht beurteilte seinen Tatbeitrag lediglich als Beihilfe zu gewerbsmäßigen Diebstahl. Frank D. hatte die beiden Frauen jeweils zu den Tatorten gefahren und dort wieder abgeholt. Mariana S. wurde deshalb deutlich höher als ihre Schwester bestraft, weil sie erheblich mehr einschlägige Vorstrafen hat.

Im Gegensatz zu seiner Mandantin schien der Verteidiger von Mariana S. schon vor der Urteilsverkündung die Lage nicht rosig einzuschätzen. "Frau S. hat die Taten während einer noch laufenden Bewährung begangen, jetzt macht ihr der drohende Widerruf der Bewährung schwer zu schaffen", erklärte er. Seine Mandantin habe sich jetzt endgültig entschlossen, nicht mehr straffällig zu werden, das Gericht möge dies bei der Urteilsfindung bedenken. Es nützte nichts. "In Anbetracht der vielen einschlägigen Vorstrafen sieht das Gericht keinen Grund, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, das gleiche gilt für die Angeklagte Radmila D.", sagte die Vorsitzende Richterin Ute Schulze-Hillert in der Urteilsbegründung. Tatsächlich waren die beiden Frauen wegen der gleichen Masche schon mehrmals zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Sehr plastisch schilderte der Staatsanwalt die Vorgehensweise in seinem Plädoyer: "Routiniert, schnell, gewerbsmäßig wurde derselbe Tathergang immer wieder neu abgespult." Für Frank D. hatte das Gericht am Ende noch ein Trostpflaster: Nach der Festnahme des Trios durch eine Sondereinheit des Ratzeburger Zivilstreifenkommandos auf dem Lidl-Parkplatz in Geesthacht fand die Polizei in seiner Bauchtasche über 4000 Euro. Das Geld wurde beschlagnahmt, die Polizei ordnete es den Diebstählen und den anschließenden Geldabhebungen zu. Der Betrag sei für den Kauf eines Gebrauchtwagens bestimmt gewesen, argumentierte dagegen der Verteidiger. Dies hielt das Gericht zwar nicht für erwiesen, die Behauptung sei aber auch nicht zu widerlegen. Frank D. bekommt das Geld zurück.