Imkerei

Wenn die Königin per Post kommt

Reinbek. Wenn die Königin per Post kommt, rollen ihr Antonia (12) und Bettina Büchsenschütz in Neuschönningstedt den roten Teppich aus. Denn ohne sie läuft im Bienenstock so gut wie gar nichts.

Das wissen Mutter und Tochter spätestens, seitdem sie die Imkerschule des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker e.V. besucht und mit Zertifikat abgeschlossen haben. Imkern liegt wieder im Trend.

Die Zeit, in dem die Imker absoluten Nachwuchsmangel beklagten, ist vorbei, sagt Margit Meinke vom Imkerverband. Alle Kurse in der Imkerschule Bad Segeberg sind in diesem Jahr ausgebucht, die nächsten Anfängerkurse starten im Januar. Rund 2600 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Die absolute statistische Spitze war 1948/49 erreicht, als 10 000 gemeldete Imker in Schleswig-Holstein und Hamburg versuchten, mit Honig und Wachs ein bisschen Geld zu erwirtschaften. "Unsere Mitglieder haben im vergangenen Jahr 800 000 Kilo Honig geerntet", sagt Meinke.

Rund 35 Kilo pro Volk haben Bettina Büchsenschütz und Antonia zusammen mit ihren Bienen erarbeitet. Nicht nur sie erweisen sich für Mutter und Tochter als Glücksfall. Als solchen bezeichnen sie auch Erhard Dittmann. "Er ist unser Bienenvater", sagt die Neuschönningstedterin. Der 75-Jährige, der schon als Junge die Kunst der Bienenzucht von seinem Vater gelernt hat, betreut die beiden Frauen und gibt sein jahrzehntelang erworbenes Wissen an sie weiter. "Langfristig möchte ich mich zurückziehen und meine Völker übergeben", sagt Dittmann.

Er freut sich riesig, dass Antonia bereits mit zwölf Jahren Interesse an der Imkerei hat. "Ich finde es einfach sehr faszinierend, wie geordnet die Bienen ihrer Arbeit nachgehen", sagt die Schülerin. Ihre Begeisterung blieb auch dann ungebremst, als sie direkt bei ihrem ersten Einsatz von einer Biene gestochen wurde. "Ich habe allerdings geweint, weil die Biene das nicht überlebt", erinnert sie sich. Ihre Mutter kann bei der Arbeit mit den Bienen komplett abschalten. "Das hier ist meine kleine Oase. Wenn ich hier bin, ist alles andere vergessen", sagt die Ergotherapeutin. Sie kennt mittlerweile jeden Handgriff, der während eines Imkerjahres anfällt - und zu tun gibt es das ganze Jahr über. Mittlerweile wundern sich weder Mutter noch Tochter, wenn eine Bienenkönigin per Post kommt. Denn die wird extra gezüchtet, um für den Nachwuchs zu sorgen und das Arbeitsvolk auf Trab zu halten. Das Ergebnis ihrer Mühe: Honig, der nicht nur schmeckt, sondern auch äußerst gesund ist. Argumente die auch den Vater der Familie überzeugt. Er möchte nun auch Imker werden.