Poetry-Slam

Junge Sprachjongleure lassen schräge Reime fliegen

Reinbek (voe). "Käse ist der Liebling der Hausfliege. Doch sie wird zur Meckerziege, stellt sich heraus, dass der Freiburger Limburger auf dem Hamburger nach dem Bitburger in Wahrheit ein Gouda ist." Alles klar? Laurenz Gottstein liebt es, zu verwirren.

Schräge Typen, schräge Themen - das ist es, was der 18-Jährige gern in Reimform verpackt. In rasender Geschwindigkeit und ohne Verhaspler haut er seinen Zuhörern bemerkenswerte Verse um die Ohren. Gestenreich und mit wachsender Begeisterung. Laurenz ist ein "Slammer". So nennt sich die neue Generation von wettstreitenden Sprachjongleuren.

Neun von ihnen werden zusammen mit vier Teams am Freitag, 9. September, wieder im Jugendzentrum Reinbek am "U-20-Award" teilnehmen. Dabei hat Poetry-Slam trotz des Wortteiles "Poetry" nicht unbedingt etwas mit Lyrik zu tun. "Einfach irgendetwas aufschreiben und es dann vor Publikum vortragen", fasst Veranstalter und Moderator des Reinbek-Slams, Karsten Lieberam-Schmidt, zusammen. So klingen die Texte von Janina von Lonski eher philosophisch: "Stille. Absolute Stille. Kann man Stille hören? Oder ist Stille gar nicht still?" Die 15-Jährige ist im Gegensatz zu Laurenz, der 2009 mit dem Poetry-Slam begann, noch Anfängerin. Im vergangenen Winter lernte sie während der Lesebühne im BeLaMi Lieberam-Schmidt kennen. Der animierte sie zum Verfassen eigener Texte. Die Wentorfer Schülerin probierte es aus und fand Gefallen daran.

Laurenz und Janina stehen für die Teenager von heute, die sprachlich viel mehr drauf haben als nur "Twittern", "Googeln" oder "E-Mails checken." Das Interesse der jungen Leute, kreativ mit Verbalem umzugehen, werde allgemein unterschätzt, meinen die beiden. "Was mich am Poetry Slam fasziniert, ist die Freiheit, mit der man an die Sache herangeht", sagt Janina. "Man kann raushauen, was einem gerade durch den Kopf rauscht." Poetry Slam sei aus dem Bauch heraus, deshalb immer auch etwas rotzig.

In der Schule hingegen stoße man ständig an Grenzen. "Wir sollten im Deutschunterricht mal zwei Verse zum Bild 'Der Wanderer' von Caspar David Friedrich verfassen", erzählt die Gymnasiastin. "'Nur zwei?', dachte ich sofort. Das ist doch viel zu wenig." Auch Laurenz empfindet den Schulunterricht eher als Bremse. Es sei denn, man sei mit den Gedanken ganz woanders: "Im Matheunterricht beispielsweise sind mir schon viele gute Zeilen eingefallen", sagt er. Die würden dann auf Zettelchen gekritzelt, bevor sie als verfeinertes Gesamtwerk in einem Extra-Notizbuch landeten. Laurenz schätzt am Poetry-Slam auch die Möglichkeit, kleine Parodien (Angela Merkel, Gerhard Schröder) und schauspielerische Elemente mit einbauen zu können. "Ich übe, wenn ich mit meiner Labrador-Hündin Maja Gassi gehe", sagt er. Laurenz slammt mit Lieberam-Schmidt bereits im Team. "Das ist natürlich noch mal ein Extra-Kick, wenn man sich die verbalen Bälle zuspielt", erklärt der Hollenbeker. Beide sind in den Publikumsbewertungen schon ganz oben gelandet. Laurenz hat nicht nur in Reinbek einen Slam gewonnen, sondern ist im Hamburger Molotow in einem Feld von 47 Teilnehmern sogar schon Zweiter geworden.

Der Slam am Freitag im Reinbeker Jugendzentrum beginnt um 19.30 Uhr, Einlass 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Stargast wird der Hamburger Slam-Meister André Bohnwagner sein.