Protest

Reinbeker kämpft um sein Haus

Reinbek. "Ich habe nichts mehr zu verlieren", sagt André J. Sein Haus wurde am 13. April versteigert. Noch lebt er mit seinen drei Kindern (neun, fünf und vier Jahre) in Schönningstedt. Die Familie würde gern bleiben, hat im Neubaugebiet vor vier Jahren gebaut.

"Der Älteste geht hier zur Schule, die Nachbarschaft ist hilfsbereit", sagt der 39-Jährige. Das "Dorf" im Norden Reinbeks ist jetzt nur noch eine Heimat auf Zeit. Die Räumung per Gerichtsvollzieher steht der Familie bevor. Eine Aussicht, die den Reinbeker gestern zu einer verzweifelten Aktion trieb. Mit einem Protestplakat postierte er sich vor dem Amtsgericht. "Justizskandal in Reinbek", war darauf zu lesen.

Der Protest war eine offiziell angemeldete Demonstration. Begleitet wurde der Reinbeker von Baldur Kloos. Der 56-Jährige, der sich als Vorsitzender des "Europäischen Schutzbundes der Haus- und Wohnungseigentümer" vorstellte, hatte der Familie seine Hilfe angeboten. Die hatte finanziell den Boden unter den Füßen verloren, nachdem André J. 2011 Insolvenz anmelden musste. Er war bis dahin Inhaber eines Pizza-Service in Bergedorf. Nach der Trennung von einem Geschäftspartner konnte er Forderungen von 80 000 Euro nicht begleichen. "Als wir dann auch drei Raten für den Hauskredit, 1700 Euro monatlich, nicht mehr zahlen konnten, hat die Bank die Zwangsversteigerung angemeldet", sagt er. Inzwischen ernährt seine Lebensgefährtin die Familie, auch mit einem Pizza-Service.

Dass das Haus mit einem geschätzten Verkehrswert von 428 000 Euro am 13. April unter den Hammer kam, konnte auch sie nicht mehr verhindern. Der Gerichtssaal war bei der Versteigerung voll besetzt. Das Haus ging für 417 000 Euro an den Meistbieter. Der Zuschlag wurde nicht sofort erteilt, weil in letzter Minute ein Antrag auf Vollstreckungsschutz gestellt wurde. Der zuständige Rechtspfleger vertagte darauf den Zuschlag auf einen sogenannten Verkündungstermin. "Wenn es ein Meistgebot gibt, habe ich außer formalen Gründen kaum rechtlichen Spielraum, einen Zuschlag zu versagen", erklärt der Rechtspfleger, gegen den sich der Protest auch persönlich richtete. Der Zuschlag hätte nur verweigert werden dürfen, wenn weniger als 5/10 des Verkehrswertes geboten worden wären, in diesem Fall 214 000 Euro.

Dennoch sieht Kloos Fehler im Verfahren. Um den Zuschlag abzuwenden, hatte er einen Antrag auf "gesetzliches Ablösungsrecht" gestellt: "Es lag die eidesstattliche Erklärung eines Finanziers vor, der eine Teilschuld übernehmen wollte."

Der Rechtspfleger sagt dagegen: "Eine eidesstattliche Erklärung hat es von dem Finanzier selbst nie gegeben."

Auch das Landgericht Lübeck konnte keine Fehler in dem Verfahren ausmachen. Eine Beschwerde, die Kloos beim Landgericht Lübeck gegen das Verfahren eingereicht hatte, wurde zurückgewiesen, bestätigt ein Sprecher. Kloos bleibt bei seiner Version und erklärte, dass er bei der Generalstaatsanwaltschaft Schleswig und dem Bundeskriminalamt Anzeige wegen Rechtsbeugung erstatten wolle.