FDP-Vorstoß

Gemeinsames Abi für zwei Schulformen?

Reinbek. Eine Oberstufe für die Gemeinschaftsschule - darauf arbeiten der Schulleiter Frank Lölling, sein Kollegium und die Eltern zurzeit hin (wir berichteten).

Allerdings reichen die Prognosen für die Schülerzahlen für die Einrichtung einer Sekundarstufe II an der Gemeinschaftsschule derzeit nicht aus. Deshalb machen die Liberalen jetzt einen Vorschlag: eine gemeinsame Oberstufe für die Gemeinschaftsschule nach der zehnten Klasse und für das Gymnasium nach der neunten Klasse.

Denn aufgrund der jetzt schon zurückgehenden Geburtenzahlen sollen nach 2020 deutlich weniger Grundschüler auf eine weiterführende Schule wechseln. "Mit der Wahlmöglichkeit, nach acht oder neun Jahren das Abitur zu machen, verliert auch die Schulwahl am Ende der Grundschulzeit ihren Schrecken", sagt Bernd Uwe Rasch, Fraktionschef der FDP. Eine gemeinsame Oberstufe ermögliche zudem eine größere Vielfalt an Profilen - ein Vorteil, der auch Gymnasiasten entgegenkommt. Die gemeinsame Nutzung der Räume vermeide teure Umbauten und Doppelstrukturen. "Einige Reinbeker Politiker müssten sich von ideologiebedingten Vorurteilen trennen und bereit sein, neue Wege zu gehen", sagt Rasch. "Das wird schwer." Unsere Redaktion hat die anderen Fraktionen gefragt, was sie von dem Vorstoß der Liberalen halten.

Patrick Ziebke, stellvertretender Fraktionschef der CDU, steht dem Vorschlag skeptisch gegenüber: "Das klingt nach einem interessanten Denkmodell, bedarf aber weiterer Klärung durch die Verwaltung und die Schulen. Denn die Schulkonferenzen müssten an einer solchen Entscheidung beteiligt werden. Beim jetzigen Informationsstand sehe ich keinen Vorteil. Reinbek hat soviel Geld in den Oberstufenanbau des Gymnasiums gesteckt, dass diese Oberstufe für uns auf jeden Fall Priorität hat."

Auch die SPD sieht den Vorschlag kritisch - aus anderen Gründen: "Das ist keine vernünftige Lösung", sagt Tomas Unglaube, schulpolitischer Sprecher der SPD. "Denn die Schüler haben zu unterschiedliche Voraussetzungen." Während die Gymnasiasten beispielsweise ab der sechsten Klasse Geschichtsunterricht haben, würden die Fächer Erdkunde und Geschichte, später noch Wirtschaft-Politik an der Gemeinschaftsschule zu Weltkunde zusammengefasst. Im Ergebnis haben die Gemeinschaftsschüler weniger Geschichtsstunden. "Wir wollen eine eigenständige Oberstufe für die Gemeinschaftsschule, langfristig auch in Kooperation mit anderen Kommunen, um das Angebot zu verbessern und Konkurrenz zu vermeiden."

Forum21 spricht sich ebenfalls für eine Gemeinde übergreifende Lösung aus: "Der FDP-Vorschlag ist Blödsinn", sagt Fraktionschef Heinrich Dierking. "Wir müssen uns unbedingt mit Glinde, Wentorf, am besten auch mit Barsbüttel und Oststeinbek abstimmen und eine tragfähige, regionale Lösung für die Zukunft zu erarbeiten. Bedauerlich, dass die Eltern weiter verunsichert werden."

Alexander Harder, Stadtverordneter der Grünen und Mitglied im Kulturausschuss, begrüßt grundsätzlich eine Oberstufe für die Gemeinschaftsschule. "Ob eine Kooperation Sinn macht, muss geprüft werden. Vielleicht gibt das noch Synergieeffekte. Unsere Fraktion bespricht das Thema heute Abend."

"Einige Reinbeker Politiker müssen sich von ideologiebedingten Vorurteilen trennen und bereit sein, neue Wege zu gehen."

Bernd Uwe Rasch, Fraktionsvorsitzender FDP