Ökosystem

Molche im Garten des Courvoisierhauses

Reinbek (hof). Der Garten hinter dem Courvoisierhaus an der Schulstraße ist ein einziges Idyll. Das in sich geschlossene Biotop wird seit vielen Jahren von der BUND-Kindergruppe betreut.

Hier können die Kleinen noch Natur erleben. Die Gruppe kämpft jetzt dafür, den Lebensraum zahlreicher Tiere im Garten des C-Hauses zu erhalten.

Denn mit dem Anbau an das angrenzende Gymnasium wurde das in sich geschlossene Biotop bereits zur Hälfte zerstört, Buschvegetation und Obstbäume gefällt. "Wenigstens der Rest des Gartens und natürlich auch das Jugendhaus müssen erhalten bleiben", sagt Umweltpädagogin und -technikerin Christiane Sturm, die die Gruppe gemeinsam mit Kollegin Marlitt Quistorf betreut. Generationen von Reinbekern haben hier ihre Liebe zur Natur entdeckt. Im Jugendhaus will sich jetzt auch die Naturwerkstatt ansiedeln und praktischen Unterricht für Schulen anbieten.

Es summt und brummt auf der Wiese und in dem kleinen, eher unscheinbaren Teich tummelt sich das Leben: Für die Kinder sind die Molche darin ein besonderes Erlebnis. Mit Ketschern spüren sie die klitzekleinen Tiere auf, die von wenigen Millimetern bis zu elf Zentimetern, wenn sie ausgewachsen sind, messen. "Sie sehen aus wie Kaulquappen, nur mit Beinen", findet Nikolai Überhoff. Der Elfjährige schaute am Dienstag zum ersten Mal im Garten des C-Hauses vorbei. Für Jesse, Lisa, Simon und Charlotte sind die kleinen Lurche schon fast Freunde geworden, deren Entwicklung sie mit Begeisterung verfolgen.

Dabei führen Molche ein sehr verstecktes Leben. Besonders während ihres Landaufenthaltes von August bis März bekommen Menschen sie kaum zu Gesicht. In dieser Phase leben sie an feuchten Stellen in der Nähe von Gewässern, verborgen unter Moos, Holz, Steinen und Erdhöhlen. Nachts gehen sie auf Nahrungssuche, halten Würmer, Schnecken, Insekten und ihre Larven in Schach und sichern sich so ihre Nahrung.

Sie überwintern tief eingegraben im Boden in der Winterstarre. Im Frühling suchen die Amphibien nahe gelegene Teiche, Tümpel und Gräben auf. Zur Paarungszeit wächst den Männchen ein bizarrer Rückenkamm. Um Weibchen anzulocken, geben sie Duftstoffe ab und verbreiten sie durch Wedeln des Schwanzes. Ist eine Partnerin gefunden, setzen die Männchen ein Samenpaket im Wasser ab, das das Weibchen aufnimmt und dann Eier ablegt. Daraus schlüpfen Larven, die sich in etwa drei Monaten zu Minimolchen entwickeln.

"Man findet sie nicht in jedem Garten", sagt Sturm. Denn obwohl alle Molche durch die Bundesgartenschutzverordnung besonders geschützt werden - weder ausgewachsene Tiere noch ihre Eier (Laich) oder ihre Larven dürfen gefangen, entnommen, verletzt oder getötet werden - stehen sie inzwischen auf der "roten Liste der gefährdeten Amphibien und Reptilien". Der Schutz der kleinen Molche und damit des Gartens liegt den Frauen besonders am Herzen. "Die kleinen Schwanzlurche sind wichtig für die komplizierten ökologischen Abläufe der Kleingewässer", betont Sturm.