Musikfestival

Voluminös und mit voller Hingabe

Reinbek( gb). Ein herrlicher Ausklang: Den dritten und letzten Konzertabend des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) gestalteten im ausverkauften Schloss Fan LinLin (Sopran), Sibylle Höhnk (Klavier) und Maren Eggert (Rezitation).

Mehr als 200 Gäste erlebten eine einzigartige Mischung aus Köstlichkeiten rund um chinesische Prosa und Lyrik.

Mit höchster Hingabe und voluminöser, dennoch angenehmer Stimme interpretierte die in China und Leipzig ausgebildete Sopranistin Fan LinLin die romantischen Vertonungen chinesischer Texte. Sie eröffnete den Abend mit "Drei chinesischen Gesängen" von Walter Braunfels. Voller Transparenz "Die Einsame", wie eine aggressive Liebeserklärung, meisterhaft vertont der rund 3000 Jahre alte Text "Die Geliebte des Kriegers" von Shijing. Nahezu philosophisch die "Elegie über die Herbstlaute" von Ou-yang Hsju (1007-1072), von der scheinbar leicht aufgeregten Schauspielerin Maren Eggert "vorgetragen". Mit dem "Schmeichler" von Feng Meng-Iung lockerte sie ihre Stimme und erreichte die richtige Ausdruckskraft bei der "Rechtfertigung meiner Vorliebe für Lotosblumen" von Dschou Dun-i (1017-1073), las - immer noch sehr leise - aus Goethes "Chinesisch-deutsche Jahres- und Tageszeiten" und den "Ruf der Phönixflöte" von Zhou Ongyuan.

Den laut- und ausdrucksstarken Part hatte die Sopranistin, die mit chinesischen Liebesliedern von Rolf Liebermann ebenso begeisterte wie mit den Vertonungen von "Dämmrung senkte sich von oben" von Fanny Mendelssohn-Hensel, Johannes Brahms und Othmar Schoeck.

Zu einer musikalischen Bilderreise durch die chinesischen Landschaften entführte Fan LinLin, einfühlsam von Sibylle Höhnk am Flügel begleitet, mit dem Zyklus "Der seidene Vorhang" von Fritz Reuter. Ob "Chinesischer Park", "Im fünften Mond" oder die "Jadeschale" - jede Vertonung kreierten Sängerin und Pianistin zur kunstvollen Miniatur.

Klare Textwiedergabe, die dynamische Skala vom leisesten Pianissimo bis zum Fortissimo, Charme der zarten chinesischen Lyrik, erstklassige Interpretation und die Einteilung der Musik durch Textbeiträge machten das üppige Programm kurzweilig, den Abend im Zeichen des SHMF-Länderschwerpunkts China - unvergesslich.