Prävention

Stadt stärkt "Anwälte der Kinder"

Reinbek. Sie sind nicht einmal zehn Jahre alt und tragen auf ihren kleinen Schultern Sorgen, die jeden Erwachsenen aus der Bahn werfen könnten. Soziale Probleme drücken zunehmend schon mit Erstklässlern die Schulbank.

Seit März kümmert sich deshalb eine Schulsozialarbeiterin um die etwa 1000 Grundschüler in Reinbek. Sie wird jetzt Verstärkung bekommen. Die Stadt baut die Schulsozialarbeit weiter aus. Seit dem gestrigen Schuljahresbeginn unterstützt Bianca Bähr mit einer Halbtagsstelle Ivonne Krätzing.

Der Ausbau der Schulsozialarbeit sei notwendig, um Lehrer für die pädagogische Arbeit zu entlasten: "Sonst stellen wir die Schulfähigkeit in Frage", stellt sich Bürgermeister Axel Bärendorf damit hinter die Appelle der Leiter der Grundschulen. Die machten schon vor vier Jahren mit einem Brandbrief auf die steigende Zahl auffälliger Kinder aufmerksam. Reinbek sei kein sozialer Brennpunkt, aber der Bedarf an sozialpädagogischer Arbeit, um die Familien zu erreichen, werde immer größer, beschrieben sie darin die Situation. Veränderungen in den Familienstrukturen, zunehmende Kinderarmut, Verwahrlosung, Verhaltensauffälligkeiten, Vandalismus und Aggressivität seien nicht allein das Problem der Schule, sondern der Gesellschaft. Deshalb sei auch er ein "Verfechter des Ausbaus der Schulsozialarbeit", bekundet Bärendorf.

Dass Sozialarbeiter zunehmend Lehrern beim Umgang mit auffälligen Kindern helfen, damit die sich auf die pädagogischen Aufgaben konzentrieren können, ist in Reinbek auch von der Politik gewünscht. Vor knapp einem Jahr beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Einrichtung einer unbefristeten Stelle. Mit dem Bildungspaket stellt der Bund Geld für die Sozialarbeit zur Verfügung.

Diese leiste nicht nur Hilfe bei Defiziten, erklärt der Stadtjugendbeauftragte Ulrich Gerwe. "Es geht vor allem auch darum, präventiv zu wirken", betont Gerwe. So stärke Ivonne Krätzing mit Sozialtraining in neuen Klassen den sozialen Zusammenhalt der Kinder oder fördere als "Anwältin der Kinder" die Persönlichkeitsentwicklung der Grundschüler.

Dass die erfahrene Schulsozialarbeiterin, die nach Aussagen von Bärendorf und Gerwe "ein Glücksfall für die Stadt ist", jetzt Verstärkung bekommt, ist auf eine interne Personalentscheidung zurückzuführen. Denn Bianca Bähr kehrt aus dem Erziehungsurlaub zurück und nimmt die neue Aufgabe als ehemalige Kita-Leiterin gern an. Die ersten Wochen werde sie mit Ivonne Krätzing die Schulen kennenlernen. "Danach entscheiden wir, ob sie an einer Schule fest andocken wird", so Gerwe.