Thema der Kirche

Erste Hilfe für die Seele leisten

"Ich war doch nur kurz fort, um Brötchen zu holen", fassungslos steht die alte Dame in der Küche ihrer Wohnung. Während der wenigen Minuten ihres Einkaufs war ihr Ehemann zusammengebrochen.

Der herbeigerufene Notarzt stellt den Tod des alten Herrn fest, damit ist sein Einsatz beendet. Über die Einsatzleitstelle der Feuerwehr bittet er jedoch, dass ein Notfallseelsorger zur Ehefrau kommen möge.

In Hamburg sind es evangelische und katholische Pastorinnen, Pastoren und Diakone, in Schleswig-Holstein auch Ehrenamtliche aus den großen Hilfsorganisationen, die diesen Dienst, rund um die Uhr in Bereitschaft, dann tun: Sich rufen zu lassen zu Menschen, für die durch einen plötzlichen Todesfall die Welt zusammenzubrechen droht.

"Erste Hilfe für die Seele", so kann man beschreiben, was ich dann als meine Aufgabe sehe. Oft sind die Betroffenen kaum ansprechbar, können das Ereignis noch gar nicht begreifen. Dann setze ich mich zu ihnen, bin einfach nur da. In das Schweigen oder die Tränen hinein, wächst in den Augen der Erschütterten meist eine erste Annäherung. Sie sind nicht allein. Langsam versuche ich, ein bisschen zu sortieren, welche Schritte nun notwendig und vielleicht hilfreich sind. Manches können wir gemeinsam tun. Wenn es möglich ist, gestalte ich einen kleinen Abschied von dem Verstorbenen, ehe ein Bestattungsunternehmen kommt.

Wenn nun andere Menschen eingetroffen sind, die den Trauernden vertraut und wertvoll sind, ist mein Dienst getan und ich verabschiede mich. Meist sehen wir uns nie wieder, aber ich bin sicher, dass ich das getan habe, wozu ich mich in meinem Glauben berufen fühle: "Was ihr für Einen dieser meiner geringsten Brüdern oder Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan", sagt Jesus Christus. (Matthäus 25,40)