Historie

So war das in Reinbeks Badezimmer

Reinbek. Bei dem derzeit drückenden, schwülen Wetter ist jeder froh, wenn er schnell unter die Dusche springen kann, um sich zu erfrischen.

Welch ein Luxus das ist, wissen vor allem noch viele ältere Leser. Denn noch bis in die 60er-Jahre hatte längst nicht jeder ein Badezimmer. Um ein Bad zu nehmen, ging man damals ins Billebad nach Bergedorf oder ab 1950 ins Sachsenwaldkurbad mit Sauna, heute bekannt als Kurbad Hahn.

"Zu Hause wuschen wir uns mit Wasser in einer Schüssel auf dem Zimmer und zum Plumpsklo mussten wir nach hinten über den Hof", erinnert sich Adolph Niemann (74). Schon sein Großvater und sein Vater waren Spediteure. Er musste schon früh mit anpacken. "Ich musste mit, habe auch Kohlen mit ausgefahren", erzählt der Reinbeker. Jeden Sonnabendnachmittag aber drückte sein Vater ihm 1,50 Mark in die Hand und schickte ihn über den Landhausplatz zum Baden.

Denn dort, unter den Sachsenwaldarkaden hatte Hans Ernst Sieber ein hochmodernes Bad inklusive Sauna einrichten lassen. "Mein Vater war als Arzt zur See gefahren und brachte die Badekultur von seinen Reisen aus Finnland mit", erzählt Hannelore Schiek, geborene Sieber. Als Adolph Niemann als "Backfisch", wie man das Teenageralter damals nannte, zum Baden kam, besuchte sie das Gymnasium. Nach Schulschluss mussten sie und ihre Schwester Barbara ab dem Alter von etwa zwölf Jahren im Bad mit anpacken. "Ich saß an der Kasse, habe Apfelsaft verkauft und musste die Wannen schrubben", erzählt sie. "Schrecklich, denn auch die Mitarbeiter vom Kohlenhandel nebenan kamen zu uns. Meine Freundinnen durften währenddessen los zur Radtour. Ich habe es gehasst. Vor allem das Kopfrechnen verursachte Schweißausbrüche bei mir. Ein Bad kostete 50 Pfennige, mit Badezusatz 1,50 Mark." Groß unterhalten habe er sich im kleinen Warteraum vor der Kasse, der bis heute erhalten ist, nicht, erklärte Adolph Niemann. "Wir waren damals nicht so selbstbewusst wie die jungen Leute heute", stellt er fest.

Noch im heutigen Kurbad Hahn sind die sechs Kabinen zu erkennen. Heute werden sie mit Vorhängen geschlossen und in ihnen stehen Liegen für die Massage- und Fango-Behandlungen. Noch in den 50er-Jahren konnte man die Tür abschließen und in eine der mit warmem Wasser gefüllten, gusseisernen Wannen steigen. "Meist klopfte Herr Sieber nach einer halben Stunde, weil er mich wecken musste", sagt Niemann. "Nach der schweren körperlichen Arbeit der Woche schlief ich im warmen Wasser sofort ein." Auch die Natursteinfliesen, die Solnhofer Platten, sind noch so wie damals.

"Die Wannen habe ich vor 31 Jahren herausgerissen, als ich den Betrieb übernahm", erzählt Jürgen Hahn. Ebenso die 1000-Liter-Tanks, die als Wasserspeicher dienten und die Sauna, die mit Kohle beheizt wurde. Dann richtete er dort ein modernes Gesundheitszentrum ein. Die Sauna nutzt er heute für die Anwendungen nach der Schmerztherapie von Liebscher & Bracht. "Ich habe aber wirklich Hochachtung, vor dem, was Charlotte und Hans Ernst Sieber damals aufgebaut haben", sagt Hahn.

Mehr im Internet unter

www.kurbadhahn.de