Lohe

Hier hat die Natur jetzt freie Bahn

Wentorf. Der Eichenprozessionsspinner macht der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein keine Sorgen. Das sagte Eckhard Wenzlaff, Förster der Stiftung, als er gestern Nachmittag eine Abordnung der Planungswerkstatt und weitere Interessierte durch die Lohe führte und dabei einige Grundprinzipien des Naturschutzes erläuterte.

"Selbstverständlich werden wir das Phänomen beobachten, aber wir werden nicht eingreifen", sagte er. Denn auch der Eichenprozessionsspinner sei ein Bestandteil der Natur.

Das ehemalige Truppenübungsgelände der Lohe ist mit seinen 237 Hektar im vergangenen Jahr als Teil des Nationalen Naturerbes an die Stiftung Naturschutz übertragen worden. Der Bund hat beschlossen, zwei Prozent aller Flächen sich selbst und damit der Natur zu überlassen. Die Stiftung will die Bevölkerung mit einer Planungswerkstatt an der Entwicklung des Areals beteiligen.

Er wolle den Diskussionsergebnissen im Herbst nicht vorgreifen, aber einige Prinzipien - wie die Eingriffsminimierung seien unstrittig. Eine Maßgabe des Nationalen Naturerbes sei, dass keine wirtschaftlichen Interessen mehr verfolgt werden dürften, erläuterte er den etwa 30 Zuhörern. Als ein Beispiel für vorsichtige Veränderungen zeigte er die Fichtenschonungen. "Sie sind alle ausschließlich durch Anpflanzung entstanden", erklärte der Experte. "Ihr Zweck: Sie sollten als Sichtschutz dienen." Dort werde die Stiftung den einen oder anderen Baum fällen lassen, um durch mehr Licht eine größere Artenvielfalt zu erreichen. Vor der Schonung ist in den letzten fünf Jahren bereits ein grüner Streifen aus Zitterpappeln, Weißdorn, Wildkirsche, Salweide und anderen jungen Bäumen entstanden. "Das läuft in den nächsten 50 Jahren automatisch so weiter", sagte Wenzlaff. Eine Besucherin bemerkte: "Passen Sie bloß auf, dass sich hier nicht überall Ahorn ansiedelt, in Bergedorf ist der die Pest!" Das sieht Wenzlaff anders: "Das ist nicht schlecht, er ist eine einheimische Pflanze. Letztlich entscheidet das die Natur."

Zum Eichenprozessionsspinner, dessen Raupen nicht nur Eichen schädigen, sondern in ihrem dritten Stadium durch ihre Brennhaare beim Menschen heftigen Hautausschlag oder Atembeschwerden auslösen können, erläuterte er: "Der ist für den Naturschutz nicht so relevant. Er richtet eher in der Forstwirtschaft Schäden an."

Auch die prägenden offenen Weidelandschaften könnte die Stiftung in eine etwas andere Richtung entwickeln: So könnten die Beweidung reduziert und die Drainagerohre aus den Böden entfernt werden, damit wertvolle Feuchtbiotope entstehen.