Reinbeker im Ausland

Von Reinbek aus in die ganze Welt

Die Schulbank haben sie an der Reinbeker Sachsenwaldschule gedrückt, viele haben nach dem Abi das Glück im Ausland gesucht. In unserer Sommerserie stellen wir Menschen vor, die oft für immer die Koffer gepackt haben. Babette Sparr lebt seit 1999 in Kalifornien und ist mit einem Amerikaner verheiratet.

. Die neue Heimat von Babette Sparr hat knapp 40 Millionen Einwohner. Kalifornien ist der mit Abstand bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA. Zum ersten Mal lernte die Reinbekerin Amerika bei einem Austauschjahr im elften Schuljahr kennen. Aber auch später, während des Studiums (Germanistik, Anglistik und Völkerkunde), für Praktika und natürlich auf Reisen, besuchte sie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten immer wieder. Nicht nur das Land gefiel, sondern auch die Leute. Sie verliebte sich prompt in einen Amerikaner.

"Ursprünglich bin ich für meine Arbeit bei der Villa Aurora nach Los Angeles gekommen. Die Villa Aurora ist eine Künstler-Residenz in Pacific Palisades bei Malibu im ehemaligen Wohnhaus Lion Feuchtwangers", erzählt die 43-Jährige. Das war vor mehr als zehn Jahren. Bei der Zimmersuche lernte sie ihren heutigen Ehemann Todd (44) kennen und lebt heute mit ihm und den gemeinsamen Kindern Max (6) und Allegra (2) in Pasadena in einem typischen amerikanischen Bungalow, der von einem riesigen Garten umgeben ist. Zur Familie gehören außerdem Hund Mojo, Kater Oscar sowie ein paar Hühner. "Hier bauen wir alles mögliche Essbare an, haben Orangenbäumchen, Avocados, Weintrauben, Brombeeren, Artischocken, Rhabarber und viele verschiedene Gemüsesorten." Das milde Klima lässt Obst und Gemüse ganzjährig gedeihen.

Kulinarisch trumpft Kalifornien selbst mit seinen weit gefächerten Angeboten auf. "Alles ist in der Regel sehr frisch und gut, alle Herren Länder sind in der Küche vertreten", sagt die zweifache Mutter. Babettes Familie liebt Sushi, Thai und Indisch, aber auch die sogenannte "California Cuisine" mit ihrer Mischung aus ethnischen Einflüssen und lokalem Angebot, die immer wieder Neues zu bieten hat. "Wir probieren einfach gerne alles aus." So werden die Produkte aus dem eigenen Garten mit Fisch, Fleisch und Geflügel immer wieder neu kreiert.

Todd arbeitet in Pasadena als Geophysiker in einem großen Forschungszentrum, Babette Sparr hat sich als Literaturagentin selbstständig gemacht. Im Augenblick haben die Kinder aber Vorrang vor dem beruflichen Erfolg. "Los Angeles bietet ein unglaublich großes und viel gefächertes Angebot an Aktivitäten, hat viele tolle Museen, die aber leider alle sehr weit auseinander liegen, und eine lebendige Kunst- und Theaterszene", schwärmt sie von ihrem neuen Zuhause.

Das Meer, die Wüste und die Berge - alles sei für amerikanische Verhältnisse schnell erreichbar. "Man könnte im Frühjahr vom Skilift und Schnee in den Bergen innerhalb eines Tages zum Meer fahren und das Strandleben genießen." Auch der Grand Canyon sei nur eine Tagesfahrt entfernt und noch näher liegt der Joshua Tree National Park sowie der Sequoiah Park mit den riesigen Mammutbäumen. Traumhaft sei natürlich auch das ständig schöne Wetter von Kalifornien.

Doch es gibt auch ein bisschen Kritik am drittgrößten Staat der USA. "Wir verbringen hier viel Zeit im Auto, um von der Stelle zu kommen. Die Distanzen sind groß in Los Angeles und jede Verabredung wird zum Kampf mit dem Verkehr. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es zwar, aber sie machen es einem nicht einfach mit Kindern. Man muss zum Beispiel den Kinderwagen immer zusammenfalten, bevor man in den Bus steigt", berichtet Babette Sparr von den Alltagstücken im Gastland. Eigentlich sei es unmöglich, mit Bus und Bahnen irgendwo hinzukommen.

Manchmal vermisst sie den etwas entspannteren Lebensstil in Deutschland, vor allem im Hinblick auf Freizeit und Freunde. "Hier ist es nicht leicht, wirkliche Freundschaften entstehen zu lassen. Alle sind immer zu sehr mit Hin- und Herfahren beschäftigt, vor allem Familien mit Kindern. Überhaupt gibt es immer viel Bewegung - Leute kommen und gehen, bleiben oft nur für ein paar Jahre, solange es Arbeit gibt." Ihre Nachbarschaft sei relativ locker: Man kenne sich, sage "Hallo", treffe sich zu dem einen oder anderen Eisbecher oder Kaffee - aber mehr dann auch nicht. Grundsätzlich seien die Menschen in den USA Deutschen gegenüber offen, freundlich und neugierig. "Außerdem kennt fast jeder Amerikaner immer jemanden, der in Deutschland stationiert war, dort studiert oder gearbeitet hat."

Gerade ist Babette Sparr mit den Kindern auf einer Rundreise durch die Staaten. Erster Stopp: Grand Canyon!