Unruhestand

An Land ist Traumschiff-Arzt Dr. Schimmel auch Hilfs-Scout

Reinbek (amü). Er hat den OP-Saal im St. Adolf-Stift gegen das Meer eingetauscht. Seit seiner Pensionierung ist Ex-Chefarzt Dr. Gunter Schimmel auf großer Fahrt. Der Gefäßchirurg heuerte im März als Schiffsarzt auf der "Aida Cara" an.

Pendelte das Kreuzfahrtschiff die vergangenen Wochen zwischen Kiel und der norwegischen Küste, schippert es zurzeit um die britischen Inseln.

Auf dem Luxusliner hat der Traumschiff-Arzt schon fast Kultstatus und wird fern der Heimat von vielen Mitreisenden aus der Region angesprochen, die ihn aus unseren Zeitungsberichten kennen. "Da die Grundstimmung in den Ferien ja erfahrungsgemäß immer gut ist, sind die Gespräche locker und angenehm", freut er sich über das Interesse an seiner zweiten Karriere. Aber auch in der Crew hat er sich eingelebt: "Ich bin bis Ende Juni 13 Wochen an Bord. Da ist ein positives soziales Umfeld natürlich sehr wichtig", sagt er. Mit inzwischen 65,5 Jahren ist er das älteste Crewmitglied an Bord. Dennoch mache es dem sportlichen Mediziner besonderen Spaß, als Hilfs-Scout an freien Tagen bei den organisierten Bordausflügen entweder im Bus, oder aber auch als Biker aktiv mitzuwirken. "Bei den Bikern ist es meine Aufgabe, den Konvoi nach hinten abzusichern und so die Gruppe zusammenzuhalten. Hier ergeben sich interessante Kontakte mit Crewmitgliedern anderer Sparten, aber auch mit Passagieren, die viele Fragen loswerden wollen", hat er erfahren. Dank seiner langjährigen maritimen Vergangenheit könne er viele Erklärungen - aber auch "Geschichten" beitragen, so dass es immer viel zu schmunzeln gebe.

"Die Bordsprache innerhalb der Crew ist meist Englisch, da wir viele asiatische Besatzungsmitglieder, überwiegend von den Philippinen, haben. Dieser zwangsweise zusätzliche tägliche Sprachkursus mit reichlich praktischen Übungen ist sicher ein weiterer positiver Aspekt der Tätigkeit", so Dr. Schimmel.

Auch das Wetter ist natürlich immer ein Thema unter den Passagieren. "Nach Traumwetter um Pfingsten herum hatten wir eine knackige Sturmfahrt nach Bergen/Norwegen. Am Nachmittag und Abend bis in die Nacht hinein waren alle vier Teammitglieder des Hospitals durchgehend damit beschäftigt, seekranke Passagiere zu versorgen, die großenteils nicht mehr aus eigener Kraft das Hospital aufsuchen konnten." Hilfe brachte nur noch der Doktor mit der Spritze. Erfreulich dann die Beobachtung, dass viele genau dieser Patienten am nächsten Tag mit einem Lächeln in der Stadt promenierten.

Seit 9. Juni umfährt die "Aida Cara" die britischen Inseln in 14 Tagen. "Wir wollen zehn Häfen anlaufen. Auf diesen Leckerbissen habe ich mich besonders gefreut", so Dr. Schimmel. Genauso aber auf den danach folgenden langen "Sommerurlaub" mit der Familie in Wentorf. "Mal sehen, wie und wo es dann weitergeht mit der Seefahrt. Der ,Markt' für Schiffsärzte ist günstig. Zunächst freue ich mich aber erst einmal riesig auf mein erstes Enkelkind."