Leserbrief: Reinbeker Vergewaltiger

"Ich hoffe, dass der Bundesgerichtshof das Urteil zumindest bestätigt"

Betr.: "Reinbeker Vergewaltiger zieht vor BGH", Titel und Reinbek-Seite vom 30.03.2012

"Das Strafmaß von 8 Jahren und 9 Monaten ist zu hoch angesetzt", so die Begründung der Verteidigung für den Revisionsantrag; denn die Richterin habe 2 Jahre über dem Antrag der Staatsanwaltschaft und 4 Jahre über dem der Verteidigung gelegen - eine doch recht merkwürdige Einstellung zur Strafzumessung. Der Antrag der Staatsanwaltschaft ist als nichts anderes, als als Antrag zu bewerten, und dass die Verteidigung 4 Jahre gefordert hat, wundert mich schon, ist man doch gewohnt, dass Strafverteidiger selbst für Kapitalverbrechen jeglichen Freiheitsentzug ablehnen und möglichst noch für erlittenes Ungemach Schadensersatzforderungen an den Staat stellen. Und der Täter macht geltend, dass es sich bei ihm ja um einen Ersttäter gehandelt habe. Ersttäter? Vielleicht! Aber: mit welcher Brutalität ist diese Type vorgegangen - was hat er den Frauen angetan? Es ist ja nicht nur die Tat als solche, es sind die Nachwirkungen, die Ängste, die die Opfer nicht mehr loslassen.

Das Urteil wurde von einer Frau gesprochen - und das ist gut so. Diese Richterin konnte sich mit der Situation der Opfer viel besser identifizieren als es einem Mann je möglich gewesen wäre. 8 Jahre und 9 Monate - ich habe mich über das geringe Strafmaß gewundert. § 177 StGB sieht für Vergewaltigung eine Mindeststrafe von 2 Jahren vor - nach oben sind keine Grenzen gesetzt; § 178 StGB fordert für sexuelle Nötigung bis zu 10 Jahre. Also: Wo sieht der Verbrecher das Problem?

Wegen der besonderen Schwere der Schuld hätte ich für ihn Sicherheitsverwahrung beantragt, damit seine Opfer ihm nie mehr begegnen müssen - denn die leiden unter seinem "Ersttun" ein Leben lang. Ich hoffe, dass der BGH das Urteil zumindest bestätigt, wenn nicht annulliert, weil ihm die Strafzumessung als zu gering erscheint.

Harald Maruhn

21037 Hamburg