Votum

Nein zu Luxusausbau im Berliner Viertel

Reinbek. Die Pläne der Deutsche Invest Immobilien GmbH, Wohnblocks im Berliner Viertel mit 30 Penthouse-Wohnungen von jeweils 80 bis 90 Quadratmetern aufzustocken, sind gescheitert. Auch die Idee, zahlreiche Doppelparkgaragen zu bauen, ist vom Tisch.

Einstimmig votierten die Politiker des Bauausschusses gegen das Baukonzept, das nach ihrer Meinung massiv das Gesicht des Viertels verändert und die Verkehrssituation weiter verschärft hätte. Applaus gab es dafür von den Bewohnern, die in großer Zahl im Rathaus erschienen waren.

Eine Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent in der Wohnung, Schimmel an den Wänden und undichte Fenster, ständig steigende Mieten und Mahnungen bis hin zur Räumungsklage ohne Grund. Dazu eine Hausverwaltung, die seit Jahren nicht erreichbar ist - so beschreiben die Betroffenen ihre Lebensumstände mitten in Reinbek. Auf die Deutsche Invest Immobilien GmbH, die die Häuser vor anderthalb Jahren gekauft hatte, sind sie nicht gut zu sprechen.

Als blanken Hohn empfinden Michael Friedrichs und seine Mitbewohner die Pläne, die Wohnblöcke am Friesenweg, Dithmarscher-, Angeliter-, Reinickendorfer-, Spandauer und Charlottenburger Weg sowie am Eichenbusch auszubauen. Stattdessen sollte lieber der bestehende Wohnungsbestand saniert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden, meinen sie.

Dr. Ludwig Söhngen, Einkaufsleiter der Deutsche Invest Immobilien GmbH, hatte zum wiederholten Mal persönlich im Bauausschuss für das Modernisierungskonzept geworben. Er betonte, dass sein Unternehmen "keine Heuschrecke" sei, die ohne Rücksicht auf die Mieter Immobilien als Spekulationsobjekt betrachte. Die Immobilien GmbH, die nach eigenen Angaben in drei Fonds ein Vermögen prominenter deutscher Familien von etwa 200 Millionen Euro verwaltet, habe den Bestand gekauft, weil sie glaube, dass Reinbek ein Standort ist, in den man investieren müsse. "Natürlich geht es ums Geld, aber nicht maximal bis zum Leerstand."

Söhngen verließ mit einem klaren Votum gegen seine Pläne und mit einem moralischen Auftrag der Politik das Rathaus: Sanierung der Wohnungen, um die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern.

Dass es tatsächlich so kommt, können die Mieter nicht glauben. "Wir gehen davon aus, dass unsere Häuser jetzt wieder verkauft werden, weil eine einfache Sanierung ohne Luxusausbau kein Geld einbringt", sagt Michael Friedrich. Der 44-Jährige lebt von Geburt an im Berliner Viertel, genießt die nette Hausgemeinschaft und will sich schon allein deswegen nicht vertreiben lassen.