Imkerei

Im Kampf gegen die Varroa-Milbe

Reinbek. Die Milbe Varroa destructor pfuscht den Imkern in Deutschland schon seit mehr als 30 Jahren ins Handwerk. Beim diesjährigen Treffen der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung schlugen die Wissenschaftler Alarm:

Im vergangenen Winter hat die Varroa bis zu 30 Prozent aller Bienenvölker zerstört. Einige Imker haben alle Völker verloren. "Wir dürfen vor Tabus nicht haltmachen", sagt deshalb Dr. Werner von der Ohe, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. "Neben den 'weichen' Akariziden wie der Ameisensäure und den ätherischen Ölen müssen wir ernsthaft über den Einsatz 'harter' Medikamente nachdenken."

Davor warnt indes der Reinbeker Imker Dr. Marcus Bradtke-Hellthaler (38), der seit dem zwölften Lebensjahr Bienen hält: "Es stimmt: Dieses Jahr gibt es deutlich erhöhte Völkerverluste. In Schleswig-Holstein gibt es eine fast fünfstellige Zahl an toten Bienenvölkern, viele Imker haben Totalverluste." Das komme nach seinen Beobachtungen allerdings alle sechs, sieben Jahre vor. Dann brechen deutlich mehr Völker ein. "Mit ihnen gehen aber auch die Milben ein", betont er.

Vor härteren Präparaten warnt er ausdrücklich: "Auf dem Markt sind Perizin oder Bayarol, zwei fettlösliche Präparate. Das heißt, sie bilden auch Rückstände im Wachs. Außerdem haben wir bei derartigen Medikamenten irgendwann mit Resistenzen der Milben zu kämpfen." Er gibt zu bedenken, dass die Forschung von Drittmitteln abhängig ist. Die aber kämen oft aus der Pharmaindustrie.

Die zerstörerische Milbe ist rötlich-braun und etwa eineinhalb Millimeter groß. Sie befällt die Bienenbrut und saugt die Hämolymphe, das Blut der Biene. Das hat zur Folge, dass sie beispielsweise mit verkrüppelten Flügeln schlüpft. "30 Jahre sind im Verhältnis zur Evolution der Biene ein Bruchteil und die Probleme mit der Milbe sind vom Menschen gemacht", erklärt Bradtke-Hellthaler. In Asien, woher die Parasiten eingeschleppt wurden, kämen die Bienen mit den Milben zurecht. "Wir sollten uns überlegen, nach welchen Kriterien wir Bienen züchten", schlägt der Reinbeker vor. "Vitale Völker kommen im Zweifel besser als friedfertige gegen die Varroa an."

Auch in Bradtke-Hellthalers Bienenstöcken hat sich die Milbe eingenistet. Seine Völker sind jedoch recht stabil. Die Bienenstöcke stehen in der Nähe der Wentorfer Lohe und der Boberger Dünen. Dort gibt es das ganze Jahr über ein vielfältiges Nahrungsangebot. Außerdem behandelt er die Bienen nach der Honigernte, im Winter und noch einmal im Mai vor der Schwarmzeit mit verdünnter Oxal- oder Ameisensäure. Der Zeitpunkt außerhalb der Brutzeit sei wichtig, sonst sei die Behandlung unkompliziert. "Wem dieser Aufwand von zehn Minuten pro Stock zu hoch ist, der sollte sich nicht mit Bienen beschäftigen", sagt Bradtke-Hellthaler.

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