Friedrichsruher Ring

Toter (89) aus Flammen geborgen

Wentorf. Für den 89-jährigen Bewohner eines Einfamilienhauses am Friedrichsruher Ring kam die Hilfe zu spät: Mit der Meldung "Großfeuer" sind die Wentorfer und Reinbeker Feuerwehren am Mittwoch um 22.07 Uhr gemeinsam alarmiert worden.

Als die etwa 55 Retter kurz darauf am Einsatzort eintreffen, ist das Haus stark verqualmt, Flammen schlagen aus dem Fenster. Unter Atemschutz dringen die Feuerwehrleute ins Haus ein. Sie durchsuchen die Räume samt ausgebautem Dachgeschoss und Keller, beginnen gleichzeitig von innen zu löschen. Im Erdgeschoss finden sie den einzigen Bewohner auf dem Boden zwischen Bett und Tisch. Doch sie können ihn nur leblos aus dem Haus tragen. Der Notarzt und die Rettungssanitäter beginnen sofort mit Wiederbelegungsversuchen - vergebens.

Ob der 89-Jährige einer Rauchgasvergiftung oder seinen Brandverletzungen erlegen ist, oder ob er bereits tot war, bevor das Feuer ausbrach, ermittelte gestern noch die Kriminalpolizei. Auch die Identität des Opfers wird sicherheitshalber noch überprüft, erklärt Sonja Kurz, Pressesprecherin der Polizeidirektion Lübeck.

"Es ist nicht schön, zu Beginn eines Einsatzes einen Toten bergen müssen", sagt Zugführer Orm Rudolf. "Aber Niedergeschlagenheit oder furchtbare Bilder stellen sich meist erst am folgenden Tag ein. Während des Einsatzes steht man unter Adrenalin - wir wissen, die eingespielten Abläufe müssen klappen." Bei Bedarf kann die Feuerwehr das Betreuungsteam des Kreises in Anspruch nehmen.

Die freiwilligen Retter bekämpfen im Einsatz weiter die Flammen. Holzverkleidungen und Zwischendecken erschweren ihnen die Löscharbeit. Die Inneneinrichtung brennt mittlerweile lichterloh. Von der Reinbeker Drehleiter aus wird alles ausgeleuchtet. Sonst wäre es im Innern schwarz. Mit der Wärmebildkamera suchen die Retter weitere versteckte Brandnester.

"Das enge Grundstück können wir nur von der Straße aus mit der Drehleiter erreichen", erläutert Natascha Pätzold, Sprecherin der Freiwilligen Feuerwehr Wentorf. Bei der Meldung "Großfeuer", werde die Reinbeker Drehleiter automatisch mit alarmiert, auch wenn sie für ein einstöckiges Haus nicht vorgeschrieben ist. Auf der Rückseite gelangen die Retter über eine Steckleiter ins Innere.

Nach etwa eineinhalb Stunden hoffen die Feuerwehrleute, den Brand unter Kontrolle zu haben. Doch als sie die Dachpfannen auf der Suche nach weiteren Brandnestern abnehmen, zünden Rauchgase durch das Dach.

Die Wentorfer rufen jetzt die Börnsener Kameraden zur Hilfe, weil sie Unterstützung brauchen: Etwa 20 Mann aus Wentorf und Reinbek haben über eine Stunde unter Atemschutz die Flammen bekämpft. Um 1 Uhr ist der Brand endlich gelöscht.

Das Haus ist komplett ausgebrannt. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf 100 000 Euro. Gestern untersuchte die Kripo die Ruine, um die Brandursache zu ermitteln.