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Sozialkaufhaus auf Erfolgskurs

Reinbek. Im Allgemeinen denkt man ja, dass Männer Einkaufsmuffel sind. Doch bei Karl-Heinz Wienke trifft das nicht zu - jedenfalls wenn es um das Reinbeker Sozialkaufhaus "mehrwert" geht. Mehrmals im Monat trifft man ihn dort in Begleitung seiner Frau beim "Shoppen" an.

"Das bringt richtig Spaß hier ein bisschen zu gucken, vor allem nach Musik-CDs", sagt der 64-jährige Reinbeker. Für seinen Sohn hat er in der Halskestraße im Reinbeker Industriegebiet auch schon mal eine komplette Couchgarnitur gekauft. "Für 90 Euro", schwärmt der ehemalige Fußballer, den so mancher vielleicht noch aus seiner aktiven Laufbahn in der Regionalliga kennt. Die Möbel seien picobello gewesen und auf dem Sofa kann man sogar schlafen.

Eine Kundin aus Billstedt, die gern im mehrwert einkauft, ihren Namen aber nicht nennen möchte, wird ebenfalls fündig. "Hier stöbere ich gerne nach Geschirr und Bekleidung. Heute habe ich bereits eine tolle Spitzentischdecke und einen großen Kuchenteller aus Porzellan gefunden", freut sie sich.

Die beiden sind nicht die einzigen, die begeistert sind. Das etwas andere Kaufhaus kommt mittlerweile so gut an, dass es sich seit der Eröffnung im Juni 2011 bereits von der Verkaufsfläche verdoppelt hat. Mit 360 Quadratmetern hatte alles angefangen.

Während sich die Kunden in der nun 780 Quadratmeter großen Verkaufshalle umschauen, räumen Marcel Jann, Tom Schumacher und René Bellmann in der Abteilung Kinderwagen und -karren auf. Die drei jungen Männer machen im Sozialkaufhaus eine Ausbildung zum Lagerhelfer. Unter Anleitung von Ausbilder Peter Beuge lernen sie unter anderem, wie man Waren annimmt, sortiert und kommissioniert. Sie sind jedoch nicht die einzigen Lehrlinge bei "mehrwert". Derzeit werden hier sieben Auszubildende für den Verkauf geschult und weitere 17 lernen den Beruf der Fachkraft für Lager, Wirtschaft und Logistik. Denn das etwas andere Kaufhaus wird unter dem Dach der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie vom Ausbildungsverbund Stormarn/Lauenburg betrieben.

"Bei uns machen junge Menschen bis 25 Jahren eine Ausbildung, die sonst so gut wie keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten", sagt Standortleiter Alexander Rhein. Sie kämen häufig aus extrem schwierigen häuslichen Verhältnissen, manche hätten auch so ihre Erfahrungen mit Drogen und Alkohol gemacht oder aber leichte Lernbehinderungen. Neben den Azubis arbeiten vor allem Ehrenamtliche im Sozialkaufhaus, das vor neun Monaten eröffnet wurde. "Unsere sechs Aktiven sind von Anfang an dabei und arbeiten freiwillig nach einem festen Plan", ist Rhein dankbar. Gern könnten aber vor allem noch ein paar männliche Helfer mit technischem Geschick mit anpacken.

Der Chef des Sozialkaufhauses freut sich aber auch über die zahlreichen Spenden, die überwiegend von Privatleuten kommen. So hat das Geschäft ein großes Sortiment zu kleinen Preisen anzubieten. Es reicht von Golfschläger und Surfbrett über Backofen, Musikanlage und Rasenmäher bis hin zum kleinen Eierbecher. Ob Bekleidung für große und kleine Leute, Einrichtungs- und Haushaltsgegenstände, PC und Unterhaltungselektronik oder Bücher und Porzellan - in allen Segmenten gibt es eine reichliche Auswahl.

Die nächste Sonderaktion steht schon fest. Am Freitag, 27. April, gibt es eine kleine "Reinbeker Buchmesse". Die Kunden können in großen Kisten nach Leseschätzen suchen. An diesem Tag hat das Kaufhaus "mehrwert" bis 18 Uhr geöffnet und bietet neben Kaffee und Kuchen auch Kinderbetreuung und Animation an.

Mit sogenannten Unterstützerpaketen hofft das Sozialkaufhaus auf noch mehr Sponsoren, auch aus der regionalen Wirtschaft. Die Firmen können Werbemittel kaufen, der Erlös fließt in die Arbeit des Kaufhauses. Da das keine eigenen Fahrzeuge hat, träumt Alexander Rhein von einem gebrauchten Sprinter oder ähnlichem als Spende. "Denn bislang müssen wir für unseren Abhol- und Lieferservice immer ein Auto anmieten", sagt er.

Wer das Kaufhaus mit Sachspenden oder tatkräftiger Unterstützung helfen möchte, erreicht das Sozialkaufhaus in der Halskestraße 4 in Reinbek unter der Telefonnummer (040) 22 94 71 50.