Weißer Ring

Eine Frau liegt am Boden und alle gehen vorbei

Reinbek (ru). Ein Überfall auf dem Wochenmarkt, mitten im Marktgeschehen - und niemand schaut hin oder hilft dem Opfer. Genau diese Situation haben Mitarbeiter der Opferhilfsorganisation Weißer Ring und Schauspieler der VHS-Laienspielgruppe am Sonnabend auf dem Täbymarkt demonstriert.

Mit der Aktion soll auf den Weißen Ring und den "Tag der Kriminalitätsopfer" am Donnerstag, 22. März, aufmerksam gemacht werden.

Rita Funke, verantwortlich für die Außenstelle Stormarn beim Weißen Ring, hat mit ihren Helfern bewusst ein Pantomimespiel für ihre Aktion gewählt. Es war eine leise Demonstration, die mit viel Lärm eingeleitet wurde. Mit Trommeln und Pfeifen hatten Mitglieder des Weißen Rings auf dem Wochenmarkt zuvor auf ihre Aktion aufmerksam gemacht. Die Resonanz bei den Marktbesuchern war jedoch gleich null. Kaum jemand fühlte sich angesprochen und wollte zusehen, und der Marktaufseher hat sich, obwohl er eingeweiht war, über den Lärm beschwert.

"Wir haben so eine Aktion zum ersten Mal durchgeführt", erklärte Rita Funke. Sie war trotz der wenigen Zuschauer zufrieden mit dem Ergebnis. "Wir lernen und wissen, was wir beim nächsten Mal anders machen können."

In erster Linie ging es darum, auf den Weißen Ring und seine Angebote aufmerksam zu machen. "Wir erleben in Stormarn alles, von Überfallen über Wohnungseinbrüche bis hin zum Mord", erklärt Inge Zickermann, Mitarbeiterin der Opferhilfsorganisation. Sie weiß, dass so ein Erlebnis das Leben des Opfers für immer verändern kann.

Die Opfer werden nie vom Weißen Ring direkt angesprochen, sondern in der Regel von der Polizei über dieses Hilfsangebot informiert. Dann wird ein Termin für ein Treffen vereinbart. "Meist findet das im Haus des Opfers statt", so Zickermann, "manchmal aber auch bei einem Spaziergang." Die Helfer unterstützen bei Behördengängen, der Suche nach einem Rechtsanwalt oder der Prozessvorbereitung. Ganz wichtig sei die Begleitung der Opfer bis in den Gerichtssaal, sagt Zickemann. Vor Gericht stehe der Täter im Mittelpunkt, das Opfer sei als Zeuge geladen und werde nur zur Tat befragt. "Wenn alle den Täter jagen, bleiben wir beim Opfer."

Der Weiße Ring macht am Donnerstag, 22. März, dem Tag der Kriminalitätsopfer, mit einem Gottesdienst um 19 Uhr auf sich aufmerksam. In der Nathan-Söderblom-Kirche, Berliner Straße 4, werden auch Gewaltopfer sprechen.