Spaziergänger

Wanderwege werden durch Hufe zu Schlammwüsten

Reinbek. Erhard Lenk hat überhaupt nichts gegen Reiter und ihre Pferde. Nur eins, das wurmt ihn doch: Dass die Wanderwege in und um Reinbek gerade bei schlechtem Wetter durch Pferdehufe aufgewühlt werden und anschließend einem Acker gleichen.

"Spazierengehen kann man dort dann nicht mehr", sagt der 78-jährige Oher. Seinem Ärger hat er auch bei der Politik Luft gemacht. Der Umweltausschuss der Stadt wird sich am Donnerstag mit dem Thema "Nutzungskonflikte auf Wanderwegen" beschäftigen. Die Grünen hatten sich dafür eingesetzt, dass das Thema jetzt auch im Rathaus diskutiert wird. Von reinen Verbotsschildern im Wald halten sie jedoch nichts. Vielmehr könnte man in Kooperation mit den Reiterhöfen auf getrennte Wege setzen, sagt Michael Zietz von den Grünen.

Die Reiterhöfe bezweifeln jedoch, dass dies eine praktikable Lösung sein könnte. "Kombinationswege für Reiter und Wanderer kosten sehr viel Geld. Die Frage ist, ob dies tatsächlich nötig ist. Meine Erfahrung ist, dass Spaziergänger, Reiter und Radfahrer prima miteinander auskommen, wenn sie Verständnis füreinander aufbringen. Auch ein nettes Wort hat noch nie geschadet", sagt Kai Dusenschön, der das Gut Silk betreibt und diese Botschaft auch seinen Reitern regelmäßig mit auf den Weg gibt. Zwölf Kilometer Reitwege hat Dusenschön rund um das Gut für seine Sportler angelegt. Die werden von zehn der 60 Reiter aktiv genutzt. "Und die wissen eigentlich, dass sie nur auf offiziellen Reitwegen reiten sollen."

Auch Arndt Hönke, Betreiber des Reiterhofes in Büchsenschinken, ist sicher, dass sich die wenigen Pferdesportler, die von seinem Hof aus ausreiten, an die Spielregeln halten. Und die besagen, dass die klassischen Wanderwege für die Reiter tabu sind. Eine kombinierte Nutzung der Waldwege - beispielsweise links die Wanderer, rechts die Pferde - sei nur dann sinnvoll, wenn die Wege mindestens 2,20 Meter breit sind und Platz für eine 1,20 Meter breite Pferdespur bieten. Ein Problem sieht auch Hönke: "Wer soll das bezahlen?"

Reinbeks Förster Claus Peter Alpen kennt sowohl die Sicht der Spaziergänger, als auch die der Reiter. Dass man dem Problem der beiden Nutzergruppen mit Verboten beikommen könnte, bezweifelt er. In Reinbek gibt es zudem eine weitere Hürde: Die Waldgebiete wie die Oher Tannen oder die Hahnenkoppel gehören zur Stadt Hamburg und zum Staatsforst Trittau. Selbst wenn Verbotsschilder den Verkehr auf den Wanderwegen regeln, wäre es sehr schwer, Verstöße zu ahnden.

Kai Dusenschön ist zuversichtlich, dass sich die Probleme mit dem Wetter von selbst lösen. Denn im Sommer wird durch Pferdehufe höchstens ein bisschen Staub aufgewirbelt.