Lesung

Hellmuth Karasek adelt das ICE-Maishuhn zur Bühnenpointe

Aumühle (lg). Hellmuth Karasek (78) sorgte am Sonntagabend im Augustinum Aumühle für viele Tränen - Lachtränen wohlgemerkt. Der erfahrene Kulturjournalist, Fertnsehmoderator und populäre Buchautor fühlte sich auf der Bühne im Theatersaal der Seniorenresidenz offenbar wohl, ein dankbares Publikum machte auch ihm den Abend sichtlich zum Genuss.

In einem Korbstuhl neben einer Stehlampe hatte es sich Karasek fast so gemütlich wie im eigenen Wohnzimmer gemacht. Dementsprechend souverän und intim wirkte sein Spiel mit den rund 200 Gästen.

In lockerem, aber pointiertem Stil beleuchtete Karasek Kuriositäten des Alltags. Die Witze und Anekdoten des 78-Jährigen - nicht immer politisch korrekt oder jugendfrei - trafen den Humor des Publikums. Mehr als eine Stunde hingen die Gäste an den Lippen des Autors.

Anstatt abgenutzte Themen aus dem aktuellen Zeitgeschehen wieder aufzuwärmen, bewies er ein Gespür für die kleinen Geschichten des Lebens. Einen thematischen roten Faden hatte der Abend nicht, Karasek zeigte seinem Publikum aber, dass der Witz sich oft im Alltäglichen verbirgt:

So schilderte er eine kuriose Beobachtung im ICE. Eine junge Frau hatte ein Maishuhn im Bordrestaurant bestellt und als Beilage offenbar tatsächlich Mais erwartet. Den farblosen Teller mit hellgelbem Huhn und weißem Reis nahm sie persönlich und rüstete sich zum verbalen Gegenschlag gegen den ratlosen Ober. Der Bühnenprofi Karasek wusste genau, wie er das Publikum packen konnte und brachte es nicht nur mit eigenen Geschichten sondern auch mit Klassikern des Dichters Johann Peter Hebel zum Lachen.

75 Minuten gab er den Unterhalter, dann stellte sich Hellmuth Karasek im Foyer den Fragen der Gäste. Seine treuesten Fans reihten sich in eine lange Schlange ein, um sich sein Buch signieren zu lassen.