Bildungsteilhabepaket

Immer mehr Kinder machen mit

Reinbek. Seit gut einem Jahr haben Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien einen Rechtsanspruch "aufs Mitmachen". Ob bei Klassenreisen, Ausflügen, dem Mittagessen in Kita, Hort und Schule oder bei Musik, Sport und Spiel in Vereinen. Das Bildungspaket richtet sich an Familien, die Hartz IV beziehen oder Kinder, die einen Anspruch auf Wohngeld haben.

Von letzteren werden im Reinbeker Sozialamt immer häufiger "Bildungs-Gutscheine" beantragt.

Der Anspruch auf Lernmaterialien, Beförderungskosten oder die Bezuschussung einer Vereinsmitgliedschaft habe sich nach Anlaufschwierigkeiten herumgesprochen. Die Stadt hat sogar ein Büro eingerichtet, damit Eltern ein Spießrutenlauf im Rathaus erspart bleibt. "Das ist hilfreich, denn viele trauen sich nicht in ein anonymes Rathaus. Die Hemmschwelle ist niedriger, wenn sie wissen, dass es eine feste Anlaufstelle gibt", hat Sabrina Ehlers festgestellt. Die Stadtinspektoranwärterin ist zurzeit für die Anträge zuständig. 198 wurden im vergangenen Jahr bewilligt. "Im aktuellen werden es noch mehr werden", schätzt Sachgebietsleiter Torsten Christ. Seit Beginn des Jahres 2012 sind bereits 122 neue Anträge eingegangen. Im Vorjahr wurden 21 491 Euro in die Zukunft der Kinder investiert. "Für 2012 gehen wir von einem Haushaltsansatz von 140 000 Euro aus", schätzt Christ. Wobei die Klassenfahrten noch eine Unbekannte sind, denn sie werden voll bezuschusst. Die Kosten lagen bisher mit einem Schnitt von je 300 bis 400 Euro im Rahmen, so Christ. "Die meisten Eltern gehen damit verantwortungsvoll um." Einen Zuschuss für eine Reise nach Australien habe noch niemand beantragt.

Den größten Anteil am Paket hat der Schulbedarf. Jedes Kind erhält pro Jahr 100 Euro für Zirkel, Hefte oder Malstifte. Auch die Mittagsverpflegung nimmt einen starken Posten ein. So wie die Zuschüsse für Mitgliedsbeiträge in Vereinen oder Musikschulen für die etwa 185 bedürftigen Kinder in Reinbek, die vom Sozialamt betreut werden. Nachhilfe wird erst ermöglicht, wenn die Gefährdung der Versetzung von der Schule attestiert wird. Und das könne erst im zweiten Schulhalbjahr passieren, so Christ.

Eine Schwierigkeit ist für Eltern noch, die Zuständigkeit zu erkennen. Viele pendeln zwischen Rathaus und Jobcenter. Wie viele Anträge im Reinbeker Jobcenter gestellt wurden, das für Südstormarn zuständig ist, kann Leiterin Doris Ziethen-Rennholz nicht differenzieren. Für den gesamten Bereich Stormarn mit drei Standorten wurden von etwa 3300 Familien 681 Anträge auf einen Zuschuss zum Mittagsessen gestellt. 414-mal wurden Klassenfahrten unterstützt. 514 Anträge galten der Teilnahme an Freizeitaktivitäten. Den Schwerpunkt bilde der Schulbedarf. Bedürftige Kinder erhalten vom Jobcenter automatisch 100 Euro pro Jahr. "Die Beteiligung an Aktivitäten im Bereich Kultur läuft gut an", sagt Ziethen-Rennholz.