Prahlsdorf

Der Grünkohl ist so klasse wie die Nachbarschaft

Reinbek (hof). Es mutete wie ein großes Familienfest an, als Erika und Hubert Baumeister am Sonnabend jeden einzelnen Besucher in Niemanns Gasthof begrüßten.

Doch es waren keine familiären Bande, die das Ehepaar aus Prahlsdorf zu den 111 Gästen, die gekommen waren, pflegt. Es ist die tolle Nachbarschaft, die alle zusammen verbindet und die jedes Jahr aufs Neue mit einem Grünkohlessen mit Tanz gefeiert wird. Am Sonnabend trafen sich die Prahlsdorfer zum 30. Nachbarschaftsfest mit leckerem Essen, Tombola und Tanz.

Petra Krapp und Bastian Küster, die seit drei Jahren in Prahlsdorf leben, haben schon bei der Renovierung ihres Hauses die nette Nachbarschaft gespürt. "Sie sind sofort gekommen und haben gefragt, ob sie uns helfen können", erzählten sie. Klar, dass die Neu-Prahlsdorfer nun bereits zum dritten Mal beim Grünkohlessen dabei sind.

Die Idee dazu entstand aus einem Kinderfest, das die Nachbarn vor mehr als 30 Jahren feierten. "Da haben sich auch die Erwachsenen so gut verstanden, dass wir beschlossen, jedes Jahr so ein Nachbarschaftsfest zu feiern", erzählt Erika Baumeister. Die gelernte Bauzeichnerin wohnt mit Ehemann Hubert seit 1969 in Prahlsdorf, hier wuchs die gemeinsame Tochter auf. Das Ehepaar kaufte sich damals eines der Siedlungshäuser, die in den 1930er-Jahren gebaut wurden. "Damals waren das alles Standardgrößen: die Grundstücke 1000 Quadratmeter, die Häuser so um die 70", weiß Hubert Baumeister. Er baute nach dem Kauf damals ein zweites Haus an, damit die junge Familie genug Platz hatte. Durch seinen Wehrdienst in Wentorf hat der gebürtige Franke seine Frau aus Reinbek kennengelernt und hier im Norden Wurzeln geschlagen.

Seit 30 Jahren nun organisiert das Ehepaar das beliebte Fest, schreibt und verteilt die Einladungen dazu, entwirft die Sitzordnung, bei der möglichst jeder Wunsch der Nachbarn erfüllt wird, und bespricht mit den Wirtsleuten Niemann den Ablauf des Abends. "Beim ersten Treffen waren wir so um die 50 Leute, inzwischen kommen bis zu 150", freuen sich die Baumeisters über die Resonanz. Unterstützt werden sie dabei von Ernst Bublitz, einem der ältesten Bewohner des Ortsteils. Der 87-Jährige lebt immer noch in seinem Elternhaus in Prahlsdorf, in dem er aufgewachsen ist. Nur zweimal in den vergangenen 30 Jahren hat er beim Nachbarschaftsfest gefehlt. "Einmal war meine Frau krank, einmal ich", sagt der alte Herr. Auch Tochter Renate Bublitz wohnt bei ihm. "Wir haben sozusagen ein Zwei-Generationenhaus", fügt die ehemalige Kommunalpolitikerin lachend hinzu.

Bevor die Schüsseln mit leckerem Grünkohl, saftigem Kasseler und Kochwurst sowie kleinen Kartoffeln aufgetragen wurden, hielten Erika und Hubert Baumeister eine launige Begrüßungsrede, in der die Worte miteinander, aneinander, untereinander, nacheinander, durcheinander, füreinander, beieinander eine Rolle spielten - ganz so wie im richtigen Leben in Prahlsdorf.