CDU-Spitzenkandidat

Jost de Jager setzt bei Netzausbau auf Dialog

Reinbek (tv). So gut besucht war das traditionelle Entenessen der Reinbeker CDU schon lange nicht mehr:

An die 120 Gäste aus den Ortsverbänden Reinbek, Glinde, Oststeinbek, Barsbüttel und Wentorf hatten sich am Freitag in Prahls Gasthof eingefunden, um den Ehrengast Jost de Jager zu erleben, Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsminister, Landesvorsitzender und Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 6. Mai.

Der als nicht gerade charismatisch bekannte Landeschef der Union war auch nach knuspriger Geflügelkeule mit delikat angerichtetem Rotkohl ein eher sachlicher Referent. Er formulierte das Wahlziel der CDU, ohne Koalitionsaussage stärkste politische Kraft im Landtag zu werden, und führte die christdemokratischen Verdienste für Schleswig-Holstein an: "Bei Beginn unserer Regierungsbeteiligung im Jahr 2005 fanden wir ein Land mit elf Prozent Arbeitslosigkeit vor, heute liegen wir bei sieben Prozent. Mit uns konnte sich der standorttreue und gegenüber seinen Mitarbeitern loyale Mittelstand wieder entfalten." Zudem sei die Regierung des amtierenden Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen die erste, die mit der Schuldenbremse ernst gemacht habe und damit dem Gebot der Generationengerechtigkeit Folge leiste.

Auch Hiebe auf die politischen Gegner fehlten in der Rede nicht: "Die SPD will in diesem Jahr mal eben 300 Millionen Euro mehr ausgeben, weiß aber nicht, wo die herkommen sollen", beklagte de Jager. "Aber die Zeit der ungedeckten Schulden ist vorbei." Ohnehin wisse man nie so recht, wer bei der SPD gerade etwas zu melden habe: "Wer Torsten Albig wählt, wird Ralf Stegner bekommen."

Jost de Jager bekräftigte seine Absicht, Schleswig-Holstein mit seinen Möglichkeiten zur Windenergienutzung zum führenden Stromlieferanten für Deutschland zu entwickeln. "Voraussetzung ist ein belastbares Leitungsnetz, wir benötigen etwa 500 Kilometer zusätzliche 380 kV-Leitungen im Land. Warten wir mal ab, wie tapfer die Grünen sein werden, wenn es darum geht, dies gegen die vielen Bürgerinitiativen zu verfechten." Für die eigenen politischen Reihen dagegen setzt der CDU-Spitzenmann auf Dialog statt Konflikt: "Große Vorhaben lassen sich nicht mehr gegen die Bürger durchsetzen."

Gastgeber Marc-Oliver Potzahr, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Reinbek und Mitglied des Landtages, lobte im Anschluss de Jagers Auftritt. Dieser sei "von Kenntnissen um die richtigen Ziele statt von Wahlkampf-Polemik" geprägt gewesen.

"Wer Torsten Albig wählt, wird Ralf Stegner bekommen"

Jost de Jager, CDU-Kandidat für die Ministerpräsidentenwahl