Jubiläum

Wenn Oberon auf die Waldkönigin Titania trifft

Reinbek. Wie ein Kugelblitz fegt Oberon auf das Podest, verschränkt provozierend die Arme über der Schärpe aus Weinblättern. Waldgeister in Tarnnetzen wuseln vor ihm über die Bühne des Sachsenwald-Forums.

Für Ernst Wieghorst in der Rolle des Oberon und das Theaterensemble der Volkshochschule ist es die erste Bühnenprobe. Waldkönigin Titania (Lydia Rimkus) ist unter ihrer Perücke aus Lichtschlangen herrlich zickig. Oberon hat als Wald-Punk mit cooler Sonnenbrille schnell in seine Rolle gefunden: "Den Bart dafür habe ich mir extra stehen lassen", sagt der Heilpraktiker.

Vor der Bühne sitzt Dr. Brigitte Oels am Regiepult. Sie hat die wuselige Truppe im Griff. "Ihr könnt ruhig noch etwas ausladender spielen", ruft sie. Dabei hält es sie kaum am Platz. Wie ein Trainer geht sie mit, gibt Regieanweisungen und feuert an. "Es geht immer darum, Theaterprojekte möglichst aussagekräftig und bühnenwirksam umzusetzen und dabei gutes Amateur-Theater zu machen, das durch Spielfreude und Kreativität überzeugt", sagt sie. Seit 25 Jahren leitet die Theaterwissenschaftlerin das Ensemble: "Ich liebe die Arbeit mit Amateuren wegen ihrer Begeisterungsfähigkeit und ihrer Bereitschaft, neben Beruf und Familie noch diese zeitaufwendige und fordernde Arbeit zu leisten."

Eine Aufführung zum 25-jährigen Bestehen des VHS-Theaterensembles? Da darf es schon mal Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" sein, ist Oels sicher. Verwirrte Liebespaare und Waldgeister begeistern seit mehr als 400 Jahren ihr Publikum. Das Stück wurde mit Musik angereichert, die Originaldialoge gestrafft, um mehr Zeit für das Spielen zu geben. Auch die Rahmenhandlung des Klassikers wurde verändert. Ein Mädchen träumt die Geschichte in ihrem Zimmer, nachdem sie Zoff mit ihrem Vater hatte. Puck und die Waldgeister kommen durchs Fenster oder springen vom Schrank. Es geht turbulent zu.

"Alle Ideen werden gemeinsam ausdiskutiert, so dass die Aufführungen nicht angeleitetes Regietheater zeigen, sondern Gemeinschaftsproduktionen", so Oels. Das Ensemble hat noch immer Mitglieder aus der Gründungszeit, vereinigt Menschen zwischen 14 und 70, die gern Theater machen wollen. Zwei Mal wöchentlich wird geprobt.

Das VHS-Ensemble wagte sich von Beginn an auch an "große" Stücke und spielte Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", Frischs "Die chinesische Mauer" und "Don Juan oder die Liebe zur Geometrie", Dürrenmatts "Der Prozess um des Esels Schatten" oder Jura Soyfers "Der Weltuntergang" und Jewgeni Schwarz' Dramatisierung von "Don Quichote" nach Cervantes. Sogar eine kabarettistische Operette stand mal auf dem Spielplan: Offenbachs "Die schöne Helena". Zahlreiche treue Zuschauer verfolgen seit vielen Jahren, wie sich die Spieler weiterentwickeln, sowohl bei eher traditionellen Aufführungen wie letztes Jahr Goldonis "Der Diener zweier Herren" im Schloss als auch bei der experimentellen Umsetzung von Dylans "Unter dem Milchwald" im Forum. Aber jetzt heißt es erst einmal: Vorhang auf für Shakespeare.

Premiere "Ein Sommernachtstraum", Freitag, 24. Februar, 19 Uhr, Sachsenwald-Forum, Hamburger Straße, mit Empfang anlässlich des 25. Jubiläums des Ensembles; zweite Aufführung: Montag, 20 Uhr; Karten: zwölf Euro.